Heute für morgen

Im Hinblick auf morgen ist heute Stille. Und im Hinblick auf das, was wichtiger ist. Immerhin gibt es morgen auch noch einen Auftritt, auf den ich mich freue. Und wer es nicht in den Logensaal der Hamburger Kammerspiele schafft, der ist selbst Schuld. Ehrlich. Ich werde da sein, ja, ich will. Und jetzt herrscht Stille. Alles andere dann morgen.  

Fragen und Antworten

6862Sie fragten mich viele Dinge und ich gab ihnen Antworten, die sie zufrieden stellen sollten, wenngleich mir die Fragen so ungeschickt und unsinnig erschienen, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass nur eine meiner Aussagen irgendjemanden zufriedenstellen konnte. Aber das war nicht mein Problem, mein Problem war, dass ich mich an einem Ort befand, an dem ich nie sein wollte. So erging es mir immer wieder, bis ich an einem Ort landete, von dem ich nicht einmal wusste, dass er existierte. Vermutlich war das die höchste Form der Ablehnung, die ich ihm entgegenbringen konnte. Wie lange ich blieb, das kann ich nicht sagen, aber ich weiß, dass es mir zu lange dauerte und ich bereits vorzeitig meinen Abschied verkündete. Sie hatte noch viele Fragen und ich überlegte ernsthaft, ob ich nicht doch noch eine Weile bleiben solle, um ein paar Antworten fallen zu lassen, von denen sie zehren konnten. Doch dann war mir klar, dass sie nicht lernen und nicht verstehen würden, sondern jedes meiner Worte so auslegen würden, wie es ihnen passte. Und das, das war schon immer so: Sie hatten ihre eigene Welt, sie hatten Worte, die alles infrage stellten, aber sie nutzen es so, um ein Fundament zu bekommen. Gern hätte ich ihnen Fragen gestellt, aber ich wusste, dass keiner von ihnen jemals so weit sein würde, um mir eine Antwort zu geben, die ich für meine Reisen hätte nutzen können.



Und irgendwann kommen sie und holen mich ab.

Abschnitt XV

Noch während Ungrimm sich den anderen Sessel zurecht schob, räusperte sich Natalie kurz und fragte: »Was ist mit deinem Kopf passiert? Unfall oder Prügelei?«

Er überlegte noch, wie er sich hinsetzen sollte, ließ sich schließlich quer in den dunkelbraunen Sessel fallen, der mal Teil einer Garnitur gewesen war, dessen Hauptrolle, ein Sofa, bei Michaela stehen musste – wenn sie es mittlerweile nicht weggeworfen hatte. Unfall oder Prügelei? Ungrimm zuckte mit den Schultern. »Nichts von beidem«, sagte er leise, »ich weiß nicht genau, was passiert ist.«

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Wenn alles immer

Wenn es immer alles leicht wäre, dann trügen wir die Welt auf Händen, schwebten über die Gipfel der Traurigkeit hinweg und lächelten überall hin, wo wir auf das Leben träfen. Wir schwiegen, weil das mehr sagen würde, als jede Satz, den wir in unserer Perfektion zu formen wüssten, wir sähen nicht einmal mehr hin, was wir tun, weil wir uns sicher wären, dass immer alles und jederzeit gelänge. Liebe wäre niemals ein Problem, sondern immer eine Lösung, kein Mensch gäbe Erklärungen ab, jeder wüsste, was gemeint ist und es herrschte nichts und niemand nur die Stille. Alles was da wäre, wäre einfach und da, alles wäre einfach und da, wo es hingehört. Wenn alles immer leicht wäre, dann fiele uns nichts mehr schwer, dann fiele gar nichts und gar nichts wäre bedrückend und alles wäre gut. Wenn alles leicht wäre, dann wäre nichts zu kurz oder zu lang, es gäbe keine Langeweile und eine lange Weile wäre eine gute Zeit. Wenn alles immer leicht wäre, dann ginge es mir nicht gut, aber das ist eine andere Geschichte.  

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  • Die Dunkelheit in dir
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  • Aus dem Wald in die Stadt

    Das Tagebuch zum Umzug aus dem beschaulichen Provinznest Asendorf in die Großstadt Hamburg. Eine wahre Geschichte über den Kampf mit dem Kopf und der Veränderung und über Suche nach einer Nische das eigene Leben.

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