Heilige Kühe, Teil I

Beim Umzug habe ich ein paar Minuten länger in der zweiten Reihe geparkt und einen Radweg zugestellt. Ein Vergehen, fraglos, für das ich auch direkt zur Rechenschaft gezogen wurde. Ein Strafzettel und damit ist es gut. So etwas geht schnell, sehr schnell. Nicht nur in meiner beschaulichen Straße, sondern überall in Hamburg. Die Gesetzeshüter nehmen ihre Pflicht mit den Falschparkern ernst und wer sich irgendwo hinstellt, wo er nicht hingehört, der muss zahlen. Ich finde das in Ordnung, ich bin ja auch noch immer der Meinung, dass der private Verkehr innerhalb von Hamburg nur meiner Ausnahmegenehmigung seine Runden ziehen darf, doch das führt nun zu weit. Fakt ist, dass Verkehrsverbrecher in Hamburg schnell bestraft werden – und nicht nur in der Hansestadt.

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Was bisher geschah

Kamille ist gutIch verstecke mich nicht hinter meiner Krankheit, ich benutze sie auch nicht als Ausrede, aber ich erkläre gern, warum sie mich immer wieder lähmt. Chronisch krank zu sein, ist nicht lustig, aber tot zu ist es noch viel weniger. Und ich lebe. So weit, so gut. Worauf ich hinaus will? Das weiß ich ganz genau, aber ich mache im ersten Absatz diesmal keine Andeutungen und ich werde mit dem letzten Absatz wohl auch keinen Kreis schließen, wie es sich für einen Schriftsteller gehört. Aber das ist auch nicht so wichtig, denn ich habe angefangen. Nach langer Zeit. Was bisher geschah …

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Liebe Immobilienmakler,

ich schreibe offen und ohne Rücksicht auf Verluste, denn ich habe nichts mehr zu verlieren. Zumindest nicht eurem Berufsstand gegenüber, das hat sich in den vergangenen Monaten, ja, Jahren gezeigt. Es ist kein Groll in mir, es ist nur das wachsende Unverständnis gegenüber einer Berufsgruppe, die sich selbst ins Abseits stellt und die Pfiffe ignoriert, die immer noch so denkt, als lebten wir vor 30 Jahren.

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Runter kommen sie immer

Siebendreidreifünf.Warum denn jetzt schon wieder alles anders ist, warum verschwiegen und nicht wortgewandt, warum leblos und nicht dynamisch. Die Antwort ist, dass niemand die Antwort kennt. Niemand weiß irgendetwas und die Krankheit wird immer noch wie ein Kavaliersdelikt behandelt: Mundraub ist nicht so schlimm, Dysthymia auch nicht. Oder: Wer nichts zu essen hat, wird schon irgendwie überleben und wer nicht glücklich ist, kommt schon irgendwie durch. Jeder schlägt sich so durch, auch wenn Prügeleien nicht gern gesehen werden, so gehören sie doch dazu. Besonders Männer gelten immer dann besonders männlich, wenn sie in der Lage sind, Gewalt anzuwenden – so glauben viele. Und Frauen sind feminin, wenn sie weinen und Kleider tragen. Es ist ja immer alles so leicht und durchschaubar, es ist ja immer alles so, wie es die Menschen gern hätten. Lehrer haben einen leichten Job mit viel Freizeit, Künstler schlafen immer und schließlich sind da noch die Fahrlehrer, Fußballtrainer und Ärzte – irgendetwas ist ja immer. Aber warum ist dann immer wieder alles anders?

Wenn alles schlecht ist und immer alles gleich ist, dann musst du etwas ändern. Aber wenn du etwas ändern möchtest, dann musst du Risiken eingehen. Und wenn du etwas ändern willst, dann muss es anschließend auch besser sein als vorher, also musst du genau überlegen, ob sich der Aufwand lohnt. Die, die alles wissen, sagen, dass sich der Aufwand immer lohnt, dass allein der Aufwand schon ein besserer Zustand ist und dich das Resultat schließlich überzeugt, häufiger Risiken einzugehen. Das sagen sie, aber sie können es nicht wissen. Niemand kann irgendetwas wissen, es liegt immer alles im Nebel und du lebst unter der Oberfläche, hast ein paar Strohhalme miteinander verbunden, weil du auf diese Weise viel länger tauchen kannst, obwohl du kaum Luft bekommst. Du wärest gern an der Oberfläche, aber du kannst nicht dort sein. Das ist es, was selbst die, die alles wissen, doch nicht verstehen, obwohl sie sich Mühe geben. Und die, die gar nichts wissen, schütteln nur den Kopf. Und dann schüttelst du den Kopf, weil du das ohnehin immer wieder tust. Immer wieder alles anders, aber am Ende ist es doch immer alles gleich und alles gleich schlecht.

Wenn du wenigstens ein Boot hättest, sodass zwar alles aus dem Ruder laufen könnte, aber du zumindest über dem Strich wärest. Du hast nicht mal Luft, dich zu beklagen und schließlich ist ja alles wie immer, alles immer gleich, und nichts ändert sich. Und wenn du etwas änderst, dann beginnen andere dich und dieses Etwas zu vermissen und du vermisst dich selbst. Es muss sich etwas ändern, aber die Wärme des Bekannten ist wie eine Bettdecke, auch wenn du darunter keine Luft bekommst. Du musst etwas ändern, entwirfst und verwirfst Schlachtpläne, betrachtest dich von innen und von außen, empfindest alles als ganz normal und weißt doch, dass es anders ist. Drogen helfen, das weißt du, aber Drogen heilen nicht. Nichts heilt, die Zeit schon gar nicht, im Gegenteil. Je länger es dauert, desto schlimmer wird es. Und es geschehen hundert andere Dinge, die du dir wünschst, dich aber doch nur aufhalten. So, wie dich alles aufhältst und am meisten tust du selbst. Zu spät, immer zu spät. Zu wenig, immer zu wenig. Zu viel, alles zu viel. Und immer alles gleich.

Es muss sich etwas ändern, deswegen wechseln sich Schrift und Töne und Bilder ab, deswegen gibt es immer wieder etwas Neues, auch wenn das nichts Neues ist, sondern nur der Aufguss des Alten, der als Rettung dienen soll. Vielleicht ist das alles tatsächlich nicht so schlimm, wir denken unter der Oberfläche darüber nach, wie es oben sein könnte, aber wir können dort nicht lange genug überleben, um zu wissen, wie es wirklich ist. Deswegen muss immer alles anders sein, damit die Ablenkung größer ist als die Gewöhnung. Deswegen ist immer alles gleich, weil die Gewohnheit stärker ist als alles andere. Und vielleicht nimmt uns deshalb niemand ernst, weil wir uns immer irgendwie durchschlagen. Gewaltfrei, aber dennoch sind wir Kämpfer. Und die, die alles wissen, nicken stumm, während die, die gar nichts wissen, erklären, was zu tun ist. Und in der Zwischenzeit hoffen wir darauf, dass alles anders wird.



Und irgendwann kommen sie und holen mich ab.

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  • Die Dunkelheit in dir
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  • Aus dem Wald in die Stadt

    Das Tagebuch zum Umzug aus dem beschaulichen Provinznest Asendorf in die Großstadt Hamburg. Eine wahre Geschichte über den Kampf mit dem Kopf und der Veränderung und über Suche nach einer Nische das eigene Leben.

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