LVII - Die Zeugin
»So viel Zeit muss sein«, sagte Frank und ging zur Zeugin, stellte sich vor. »Was haben Sie denn gesehen oder gehört?«
»Gestern Abend habe ich eine Frau gesehen, die mit dem Mann von da oben zusammen ins Haus gegangen ist. Lange blonde Haare, nicht unbedingt zierlich, aber auch nicht dick, eine Jeans und einen Pullover hatte sie an und so komische Stiefel ...«
»Moment, Sie haben eine Frau gesehen? Und sind Sie sicher, dass es der Mann aus fünften Stock war?«
»Ja, natürlich«, erwiderte die Frau erbost, »ich kenne doch den Michel, der bringt mir immer Käse mit vom Markt.«
»Ja, in Ordnung«, sagte Frank beschwichtigend, »aber sind Sie sicher, dass es eine Frau war, die da mit ihm zusammen ...«
»Na, ein Hund war es nicht. Und mit so langen blonden Haaren und einer engen Hose, was soll es da anderes sein? Der Sonnenuntergang?«
»Ich will nur sicher gehen, was sie gesehen haben.« Er sah zu Krüger, dann wieder zu der Frau: »Bitte kommen Sie morgen noch einmal zu uns in die Dienststelle, dann nehmen wir Ihre Aussage in aller Ruhe auf und fertigen vielleicht noch ein Phantombild an.«
»Ich habe sie doch gar nicht von vorn gesehen.«
Der Kommissar lächelte. »Wir finden schon was, um die Frau sichtbar zu machen. Haben Sie morgen Vormittag Zeit?« Als sie nickte, zückte er eine Karte aus der Innentasche seiner Jacke: »Dann melden Sie morgen um 10 Uhr in dieser Dienststelle und fragen nach mir, mein Name steht dort oben rechts.« Dann drehte er sich um und ging mit langen Schritten zum Wagen: »Los, Kollegen, wir müssen weiter.«
»Was ist mit der Presse?«, fragte ein junger Beamter, als Frank schon im Begriff war, einzusteigen.
»Was soll damit sein?«
Der junge Beamte zeigte in die Richtung von zwei Fotografen, die eifrig Bilder von der Hauswand machten. Frank seufzte und schüttelte den Kopf.