LVI - Weiter, immer weiter
Die Vier sahen ihn ungläubig an: »Einen Zeugen?«, fragten Kapellke und Schmidt unison und blickten dann etwas irritiert zueinander. »Ich weiß auch nicht mehr«, sagte Frank, »aber wir rücken jetzt ab. Das Versiegeln des Tatorts können die Kollegen hier übernehmen.«
Langeneke packte in Windeseile seine Sachen zusammen, Kapellke und Schmidt liefen bereits die Treppe hinter, die Warras und der Kommissar folgten ihnen. »Denken Sie immer noch, dass ein Spezialist helfen kann?«
Konrad Frank blieb abrupt stehen, was sie als Zeichen annahm, ebenfalls anzuhalten. »Ich weiß nicht, wer helfen kann, aber es ist manchmal so, dass jemand von außerhalb mehr sieht, als jemand, der die ganze Zeit dabei ist. Vielleicht haben wir einfach den Blick für das Wesentliche verloren, vielleicht ist das für uns alle auch eine Nummer zu groß.«
»Die meisten Serienkiller wurden gefasst«, sagte sie ruhig.
»Ja, die meisten. Aber es gibt auch einige, von denen niemand weiß, warum sie irgendwann aufgehört haben. Vielleicht haben sie sich umgebracht, weil sie mit dem Kram nicht fertig wurden, vielleicht hatten sie einen Unfall oder sie haben einfach irgendwann die Lust verloren, wer weiß das schon. Aber ich will es nicht so weit kommen lassen, ich will den Kerl kriegen. Was er tut, ist so kalt und grauenhaft, das ist so weit ab von der Realität, ich will nicht, dass er so davon kommt, weil wir aufgeben.« Er atmete tief durch: »Und deswegen glaube ich, dass ein Spezialist vielleicht helfen kann.«
Sie nickte. »Ja, das verstehe ich.«
Sie setzten sich wieder in Bewegung. Als sie unten ankamen, empfing sie Krüger mit einem breiten Grinsen. »Jetzt haben wir ihn«, sagte er gedehnt und rieb sich die Hände. Dann zeigte er auf eine Frau mittleren Alters, die wenige Meter entfernt stand und neugierig zu ihnen herüberblickte.