IX - Kein Weg nach draußen
Die Sonne ging unter, ein oranger Lichtstrahl brach sich den Weg in das Büro und tauchte alles in farbliche Wärme. Kommissar Frank nach dem Kopf hoch, sah sich im Raum um. Seit Stunden hatte er über dem Rätsel gesessen und gegrübelt, aber nichts passte zusammen. Es begann schon mit der ersten Zeile, weil er nichts fand, was einen Zusammenhang ergab. Es gab nichts, an dem er sich festhalten konnte und wenn Warras richtig lag und das erste Rätsel »Gerechtigkeit« war, fügte sich das zweite dann daran an? Wie viele Möglichkeiten gab es für allein für die erste Zeile, was konnte alles »Fünf« sein? Er schrieb auf, was ihm zu der Zahl einfiel. Es gab die fünf olympischen Ringe, die fünf Wundmale Christi, die fünf Säulen des Islams und er hatte irgendwann einmal gehört, dass auch im Taoismus die Zahl Fünf eine Bedeutung hatte, aber das erschien im alles viel zu weit hergeholt. Aber selbst wenn das alles Blödsinn war, dann brachte die zweite Zeile alles durcheinander, dann tauchte dort plötzlich Heinrich der Achte auf und warf alles durcheinander. Entnervt schob Frank die Zettel auf dem Schreibtisch von sich.
Es gab kein Weiterkommen, vielleicht war dieses Rätsel auch nur ein Trick, um die Ermittlungen aufzuhalten. Im Bericht von Langeneke gab es dann weitere Ungereimtheiten: Der Todeszeitpunkt von Chism war vor dem von Angela Thorsen, das Öl hatte den Leichnam nur entsprechend konserviert. Und wenn der Täter nach irgendeinem Muster vorging, war dann der Zeitpunkt für den Fund der Leichen geplant? Und wie hatte er es angestellt, dass zumindest bei Chism keinerlei Anzeichen für Gewalt zu finden gewesen waren? Aber, so schrieb Langeneke, die meisten Narkosemittel würden binnen weniger Stunden abgebaut und so dass letztlich auch gar nichts nachzuweisen wäre, wenn der Täter schlau genug war, sie geschickt einzusetzen. Es gab überall nur Sackgassen, es gab nichts Greifbares, es war ein Meer aus Dunkelheit und sie liegen darin herum und versuchten irgendetwas zu finden, von dem sie nicht einmal wussten, ob es überhaupt existierte.
»Wenn wir diesen Kerl kriegen«, murmelte Frank, »dann habe ich mehr als nur ein paar Fragen an ihn.« Kopfschüttelnd stand er auf und machte sich daran, nach Hause zu fahren.
Auf dem Flur kam ihm Carola Warras entgegen: »Sie sind ja auch noch nicht zu Hause«, sprach sie ihn an.
»Es gibt ein neues Rätsel«, sagte er, »ich habe versucht, irgendetwas herauszufinden und hier habe ich die meiste Ruhe.«
»Warum nicht zu Hause?«
»Ich versuche das zu trennen, auch wenn ich zu Hause ein Büro habe. Aber meine Frau und die Kinder sollen von solchen Dingen nichts mitbekommen.«
Sie nickte.
»Außerdem muss es auch einen Ort geben, an dem ich mal abschalte. Und das fällt mir schon schwer genug.«
»Was ist das für ein Rätsel?«
»Ich habe vor ein paar Minuten eine Rundmail an die Arbeitsgruppe verschickt, darin ist der Text enthalten.«
Sie zog ihr Smartphone aus der Tasche: »Gucke ich mir gleich mal an.«
»Wenn Sie wieder so schnell sind, dann glaube ich, dass Sie mit dem Täter zusammenarbeiten.« Frank lächelte und sah ihr dabei in die Augen. »Schließlich sind Sie erst vor Kurzem dazugestoßen.«
»Stimmt«, sagte sie ernst, »in Filmen ist es immer so, dass wenn irgendjemand neu im Team ist, er auch irgendwie verdächtig ist. Und meistens trifft das auch zu.« Sie machte eine Pause. »Vielleicht bin ich ja der Täter.«
»Ich behalte Sie mal im Auge«, sagte er und zwinkerte.
»Aber nicht blinzeln, sonst bin ich weg.«
Frank nickte und lächelte dabei.