Online-Roman II
Alles in Rohform. Titel noch ein Arbeitstitel.
I - Am Anfang ist der Stoff
»Was ist hier los?« Hauptkommissar Frank war klar, dass dieses hier keine Routinearbeit werden würde, zu aufgeregt hatte die Stimme seines Assistenten am Telefon geklungen. »Sie müssen es sich selbst ansehen«, hatte er ins Handy gekeucht, »es ist furchtbar.« Furchtbar. Konrad Frank konnte sich nicht viel vorstellen, dass er für furchtbar hielt. Die Arbeit bei der Mordkommission hatte ihn abgestumpft: Er hatte in der langen Jahren seiner Dienstzeit so vieles gesehen, Kinder, Frauen, alte Menschen, die brutal ermordet worden waren, ohne jede Skrupel. Sein Assistent, Kommissar Holger Krüger, war noch nicht so lange dabei und dementsprechend unruhig war dieser bei ungewöhnlichen Fällen. Frank konnte es ihm auch nicht verdenken, wesentlich anders war es ihm früher auch nicht gegangen, jeder war mal ein Frischling in diesem Job.
II - Gedanken und Ideen
Frank sah sich um. An einem Sonntagvormittag gab es nicht viele Menschen, die auf den Straßen unterwegs waren. Manchmal hatte er das Gefühl, dass sich niemand mehr zu Fuß bewegte, weil die Menschen es irgendwie schaffte, aus ihrer Wohnung direkt in ihren Wagen zu gelangen. Der Verkehr wurde immer dichter, die morgendlichen Staus zur Gewohnheit, die Menschen immer unzufriedener. Für Kommissar Frank war es kein Wunder, dass da irgendwann immer mal wieder irgendjemand komplett durchdrehte.
III - Heim und Frieden
Auf der Fahrt nach Hause hatte Frank Mühe, sich auf den Verkehr zu konzentrieren. Immer wieder drangen Bilder von der ermordeten Frau in seinen Kopf. Immer wieder zwang er sich, an etwas anderes zu denken, aber es gelang ihm immer nur für einen kurzen Zeitraum. Es war mittlerweile kurz vor fünf, für einen Sonntagnachmittag war der Verkehr ungewöhnlich dicht. Irgendeine Veranstaltung. Er suchte am Straßenrand nach Plakaten, fand schnell ein Konzert von Peter Fox in der Bahrenfelder Trabrennbahn. Wie würden dorthin pilgern? 20.000? 30.000? Dieser Herdentrieb war ungeheuerlich, alles wurde immer größer und immer bunter und immer greller.
IV - Wenn es dunkel wird
Malina nickte nur. Es gab Tage, da wusste sie, dass es sich weder lohnte noch einen Sinn ergab, zu diskutieren. Und sie hatte Konrad schon lange nicht mehr so nachdenklich erlebt, am Gespräch im Garten hatte er kaum teilgenommen, sondern meistens nur still da gesessen und hin und wieder gelächelt. Und sie kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass dieses Lächeln nur aufgesetzt war. »Erzählst du mir nachher davon?«
V - Mann oder Frau
Er blieb noch einen kurzen Moment vor der Tür stehen, bis er Stine halblaut sagen hörte: »Ich weiß, dass du da bist, Papa, ich kann ich hören!«
»Ruhe jetzt!«, flüsterte er. »Wer so gut hören kann, sollte noch besser schlafen können. Bis morgen.«