Tagebuch
Das Tagebuch - eine Odyssee durch Dysthymie und bipolare Störungen
Was ich biete
Ich kenne eine Menge Rebellen, die in Wahrheit Feiglinge sind und viele Opel-Fahrer träumen von einer Formel-1-Karriere – nur nicht die, die einen Hut tragen, weil der Helm dann nicht passt. Ich kenne einige Pazifisten, die einen Krieg anzettelten und weiß von vielen Menschen, der Konsequenz darin besteht, inkonsequent zu sein. Ich hörte von Lügner, die die Wahrheit sprechen und ich kennen einen Moralapostel, der im Supermarkt Bonbons stiehlt. Jedes Mal, wenn er dort ist. Und dann denke ich immer: Ist das alles, was du bietest?
Prioritäten und Gewinne
Es gibt immer etwas, das wichtiger ist. Irgendetwas ist immer wichtiger und am Ende bin ich es immer selbst. Das ist die Priorität, die ganz oben steht. Gut, mit einer Ausnahme. Vielleicht auch zwei, aber das führt nun zu weit und ich habe nicht mehr so viel Zeit. Heute Nacht. Morgen ist es anders, da muss ich aber auch ausgeschlafen sein, um für einen Freund Kisten zu schleppen. Auch eine Priorität. Für ihn mache ich das, für mich nicht. Hier sieht es immer noch aus, als hätte mich eine Wetterbombe erwischt. Oder was auch immer.
Eine Frage der Bestimmung
Es sagte mir mal jemand, dass Heiterkeit meine Bestimmung sei. Ich war damals schon skeptisch, weil ich viel zu selten heiter bin und mein Humor gar nicht dafür gedacht ist, andere zum Lachen zu bringen. Heute weiß ich es besser, heute weiß ich, wie fröhliche Menschen aussehen und ich weiß, wie ich aussehe. Tagsüber. Nachts ist es besser, doch das sieht niemand außer meinem Sohn und der kann noch schweigen. Wobei ich früher, also vor meiner Zeit, auch durchaus ein lustiger Geselle sein konnte, wenn ich es denn darauf anlegte. Allerdings wäre ich auch ein guter Amokläufer, wenn ich denn anlegte.
Zu viel
Wenn jetzt noch etwas ist, wird mir das zu viel. Es ist mir schon zu viel, aber wenn jetzt noch etwas kommt, dann ist es mir zu viel. Ruhe. Bitte. Einfach nur Ruhe. Der Kopf ist auch nicht mehr das, was er mal war. Ruhe.
Vergangenheit als Dunst
Im Grunde genommen ist es doch egal, wer woher kommt, wohin er will und warum er tut, was er gerade tut, was er anschließend macht und ob er reinen Herzens ist oder ob er sich dabei etwas gedacht hat und ob seine Eltern stolz auf ihn sind oder vielleicht gar nicht mehr leben. Das ist alles egal, das interessiert längst nicht jeden oder alle und meistens keinen. Und doch wollen es die Menschen wissen, sie wollen alles über die Vergangenheit und die Zukunft erfahren, etwas über die Menschen darin und über die Gründe, die zu all dem geführt haben. Egal ist es, und trotzdem wollen es alle wissen. Besonders dann, wenn es sie selbst betrifft. Das ist wichtig.
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Die Dunkelheit in dir
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