Tagebuch

Das Tagebuch - eine Odyssee durch Dysthymie und bipolare Störungen

1:7-Debakel für den Favoriten

Taktische Meisterleistung lässt Team Bahnstreik alt aussehen

Bahnstreik vs Ich 1:7 (0:1)

Mit einem cleveren Schachzug nutzte Ich-Coach Schriftstehler die vermutlich einzige Schwachstelle in der Defensive des Team Bahnstreik aus und fuhr mit seiner Mannschaft einen unerwartet hohen 7:1-Kantersieg ein. Dabei gelang dem haushohen Favoriten im eigenen Stadion erst kurz vor Schluss der Ehrentreffer, alle Tricks von Trainer GDL verpufften fruchtlos, sodass nun wohl eine Trainer-Diskussion anstehen dürfte, denn im zweiten Durchgang brachen beim Goliath alle Dämme.

Coach GDL setzte vor allem auf die Abwesenheit seiner Stammkräfte, rotierte im Vergleich zum Vortag gleich auf mehreren Postionen und setzte zunächst auf defensive Offensive. Durch eine Änderung in der Aufstellung fünf Minuten vor Spielbeginn (!) verstellte er den Zufahrtsweg nach Hannover gänzlich und setzte auf die Konterstärke seines Teams. Zusätzlich hatte der Übungsleiter noch eine Spielverzögerung initiiert, sodass die Partie erst mit einer Verspätung von 60 Minuten angepfiffen werden konnte.

Ich-Trainer Schriftstehler beließ die Aufstellung ohne jegliche Änderung, vertraute auf den altgedienten Ich: Auf allen Positionen sollte eben dieser für ein druckvolles, aber variables Spiel sorgen und sowohl Defensive als auch Offensive ankurbeln. Eine mutige Entscheidung, hatte Ich doch noch am Vorabend ein intensives Auswärtsspiel im Roten Saal des Braunschweiger Schlosses absolviert.

Die ersten Minuten gehörten ganz klar dem Favoriten, der durch viele taktische Umstellung direkt nach Spielbeginn beim Ich-Team für einige Verwirrung sorgte. Konfuse Durchsagen des Stadionsprechers taten ihr Übriges dazu, dass das Bollwerk in Braunschweig undurchdringbar schien. Aus dem Nichts heraus dann aber der Durchbruch, als Coach Schriftstehler lautstark sein Team aufforderte, nicht nach Hannover, sondern nach Göttingen durchzubrechen: ein verspäteter ICE war dem Team Bahnstreik entwischt und sorgte zunehmend für Entlastung beim Underdog.

Die Bahnstreiker nahmen die Offensive des Außenseiters offensichtlich auf die leichte Schulter, war doch der Kader für solche Eskapaden gar nicht ausgelegt. Doch Trainer Schriftstehler sorgte mit einer kurzfristigen Auswechslung dafür, dass sein Team nun langsam Oberwasser bekam. Zwar monierte der ICE-Zugbegleiter einen nicht gültigen Spielerpass und wollte Ich zunächst des Feldes verweisen, doch nach heftigen Protesten und harschen Pfiffen von den Rängen nahm der Unparteiische seine Entscheidung zurück. Von nun an rollte der Zug nur noch in eine Richtung.

Ich versuchte es aus allen Positionen, blieb aber immer wieder an der vielrädrigen Bahnstreik-Abwehr hängen. Aber der Favorit offenbarte zunehmend Schwächen und geriet mehr und mehr ins Wanken. Kurz vor der Pause war es dann soweit: Ein einstudierter Spielzug über Hildesheim sorgte dafür, dass Ich frei in Göttingen auftauchte und unbedrängt zum 1:0 für den Außenseiter einschob. Kurz danach ertönte der Halbzeitpfiff vom nicht immer sattelfesten Unparteiischen.

In der Pause wurden in der Kantine zu Göttingen warme Getränke gereicht, zudem verteilten die Zeugen Jehovas Faltblätter mit taktischen Schachzügen. Coach Schriftstehler war sich seiner Sache jedoch sicher und ging auf keine weiteren Anregungen ein, schickte sein Team unverändert auf Gleis neun. Auch die Bahnstreik-Mannschaft scharrte ungeduldig mit den Füßen, bereit, das Ruder herumzuwerfen. Allerdings hatte sich Trainer GDL komplett verkalkuliert und ließ seine Truppe schmählich im Stich: Direkt nach Wiederanpfiff entwischte Ich mit einem planmäßigen ICE dem Göttinger Defensiv-Verbund und markierte das 2:0 – schon schon jetzt machte sich Resignation beim Favoriten breit

Und das Ich-Team spielte sich in einen Rausch, überrannte pünktlich Hannover und nach einem Doppelschlag stand es plötzlich 4:0 für den Außenseiter, der weiter Druck machte. Weiter ging es im Minutentakt: Bahnstreik wirkte hilflos, Coach GDL vergrub den Kopf in den Händen, als Ich mit der Hacke Celle zum 5:0 tunnelte. Und der überragende Ich setzte noch einen drauf, tanzte Lüneburg aus und erzielte gar das 6:0 für seine Farben. Übungsleiter Schriftstehler rieb sich die Hände und konnte sein Glück kaum fassen – die Messe war hier längst gelesen.

Dass dem Team Bahnstreik kurz vor Schluss noch der Ehrentreffer gelang, weil der ICE noch eine zehnminütige Verspätung einfuhr, war nur noch Ergebniskosmetik. Schließlich stellte Ich den alten Abstand mit einem herrlichen Fallrückzieher wieder her, der gegnerischer Keeper fiel wie eine Bahnschranke. Glück für den Favoriten: Da keine Fans angereist waren, blieben die Unmutsbekunden aus, es wurden keine Fan-Utensilien verbrannt. Das Ich-Team wurde hingegen gebührend gefeiert und darf sich nun Bahnstreik-Besieger nennen.

In der kommenden Woche gastiert das Bahnstreik-Team wieder bei den Tarif-Verhandlungen, Coach Schriftstehler ist mit seiner Equipe am 25. Oktober beim Audimax-Slam in Hamburg.  

Exil

»Na, auch hier?«, fragt sie mich und ich zucke mit den Schultern. Zum einen, weil dieser Spruch einfach zu blöd ist, als dass sie ihn benutzen dürfte, zum anderen, weil ich mal wieder gar nicht genau weiß, wo ich eigentlich bin. Vielleicht ist das auch nicht wichtig, vielleicht gibt es andere Dinge, die mehr im Vordergrund stehen. Sollten wir nicht immer ganz woanders sein? Frage ich mich, aber ich frage mich ohnehin zu viel, ohne Antworten parat zu haben. Doch wer weiß schon, ob es eine Antwort gibt, wenn er die Frage stellt. Sie steht mittlerweile direkt vor mir und lächelt und singt und klingt schön dabei.

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The Monday Troop - Part VII

Und dann ist schon wieder Montag und alle sind betrunken. Also nicht richtig mit Alkohol betrunken, sondern ironisch. Heute kann ja niemand mehr etwas ernst meinen, jeder meint alles ironisch – angefangen mit dem Schnurrbart bis hin zu politischen Äußerungen oder dem Eheversprechen. Deswegen sollte niemand auch ernst genommen werden, sondern nur von hinten. Ich darf das sagen, ich bin der Iron-Man, ich meine alles ironisch. Ungefähr. Ich war ja schon als Kind ironisch gemeint, meine Mutter lacht heute noch darüber, dass mein Vater nicht weiß, dass es mich gibt. Aber an einem Montag ist alles erlaubt, wenn man blau ist. Oder blau gemacht hat. Oder beides. Und Arbeit ist ohnehin ironisch. Wer weiß schon, was die alle an ihren Schreibtischen tun?

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The Monday Troop - Part III

Manchmal, wenn ich Smalltalk mache, um größer zu scheinen, schäme ich mich über die nichtssagenden Worte. Aber ich werfe sie dennoch raus. Es muss sein. Ohne Oberfläche, kein Kontakt und kein Tiefsinn. Schade, es könnte ja auch anders funktionieren, es wäre ja auch möglich, direkt mal dort einzusteigen, wo es wehtut. Bei sich selbst, zum Beispiel. Einfach mal ein paar Schwachstellen aufzählen und in den Raum und zur Diskussion stellen. Möglich wäre es, aber über allem stehen die Oberflächlichkeit, ein gebrauchter Witz und der langsame Aufbau von einem Vertrauensturm. Ich bin Metapher-Man, ich darf solche Bilder malen, damit es nebulöser wirkt, was ich sage oder schreibe. Ich kann alles bildlich machen, ohne dass es jemand sieht. Das ist ein Talent, das vollkommen unterschätzt wird. Ich zwinkere ein Lächeln und hoffe jetzt auf Vertrauen, das war meine Smalltalk-Einleitung, mehr habe ich nicht zu bieten.

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The Monday Troop - Part IX

Ich habe es schon immer gesagt. Aber ich will nicht mit denen in einen Topf geworfen werden, die immer behaupten, sie hätten es schon immer gesagt. Ich habe es aber tatsächlich schon immer gesagt, zumal heute Montag ist und es ist bekanntlich immer Montag. Und ich habe es schon immer gesagt, weil ich es belegen kann. Punktuell. Im Jahr 2005 und auch noch später, früher auch schon, aber dann wieder später. Definitiv. Und was den Montag anbelangt, bitte keine Widerrede. Ich bekomme schon genug Gegenwind, wenn es um die Zeitumstellung geht.

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  • Die Dunkelheit in dir
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  • Aus dem Wald in die Stadt

    Das Tagebuch zum Umzug aus dem beschaulichen Provinznest Asendorf in die Großstadt Hamburg. Eine wahre Geschichte über den Kampf mit dem Kopf und der Veränderung und über Suche nach einer Nische das eigene Leben.

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