Geist-Reich

Dann, ganz plötzlich, sehe ich auf die Zahlen am rechten. oberen Bildschirmrand, erschrecke und reibe mir die Augen. Nein, müde bin ich nicht, meinen Augen geht es überraschend gut, lediglich die mittlerweile fast obligatorischen Halsschmerzen plagen mich. Aber ich fühle mich. Ja, genau: Ich fühle mich. Der Tag war zu lang, immer wieder dachte ich, dass nun schon lange Mittwoch sein müsste. So viele Gedanken, so viele Ideen, so viel in meinem Kopf, das vom Wochenende übrig blieb. Betäubt habe ich mich mit Arbeit, wohl wissend, dass ich irgendwann doch noch zur Ruhe kommen würde. Wie eine Bedrohung. Ruhe. Und ist sie da. Alle Rechner sind ausgeschaltet, nur mein geliebter Tragbarer verrichtet noch seinen Dienst. Mit mir im Bett. Und mein Kopf wackelt, in ihm brodelt es. Ich fühle mich schlecht, weil ich zu wenig schreibe. Natürlich könnte ich schreiben, natürlich kann ich eine Geschichte schreiben. Irgendeine. Aber dann. Beginne ich. Und dann. Merke ich. Oder ich habe das Gefühl, dass ich das alles schon einmal gesagt, geschrieben, gedacht habe. Auch wenn der Gedanke der Geschichte neu ist, so finde ich keinen Zugang. Wundervolle Ideen, die mir, sobald ich mich an die Umsetzung mache, allesamt banal und langweilig vorkommen. Mir. Ich bin zu kritisch, ich bin nie zufrieden. Mag sein. Und wenn es so ist, dann befinde ich mich vermutlich gerade auf dem Höhepunkt. Schlaflos und kritikbeflissen. Oder so. Ich treibe wie ein Geist durch die Nacht, immer auf der Suche nach Schlaf und nach Gesellschaft. Meine Katze, ja, die ist da, fragt sich aber, warum ich nicht endlich den letzten Rechner ausschalte und die Augen schließe. Nur für eine Stunde. Und dann döse ich ein wenig, wache hektisch auf und wundere mich, was ich gerade tat. Wie lange ich schon so lag. Seltsames Leben. Zeitlos. Wie ein Geist, für den es nichts gibt. Nichts. Ärgerlich. Wieder fühle ich mich unverstanden und einsam. Wieder.

Ich ziehe mich wieder zurück, der Tag verging zu schnell. Aber ich grüße noch das beste Ypsilon von allen, das heute so entsetzlich krank war. Und ich sende einen Gruß an C., deren Gedanken mir Spaß gemacht haben. Nicht zu vergessen: Ich grüße all die anderen Geister, die rast- und ruhelos durch die Nacht treiben.

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