Tote Erinnerungen
Es geht schon seit ein paar Tagen, vielleicht sind es auch Wochen. Ich vermisse mein Zeitgefühl und noch ein paar andere Dinge. Die 300-Gramm-Tafel der Milka-Schokolade ist immer noch nicht aufgetaucht und ich finde meine Kraft nicht. Vielleicht liegt sie unter der Schokolade: Fände ich sie, wäre vermutlich vieles einfacher. Oder auch nicht. Immer wieder Müdigkeit. Und Gedanken. Immer wieder dieselben Bilder. Schon seit ein paar Tagen. Wie ein Echo. Immer. Wieder. Ich denke an meinen Großvater. Immer wieder. Seltsam. Dieses Gefühl habe ich zum ersten Mal, dieses Vermissen. Oder es ist etwas anderes. Vielleicht. Seine Stimme oder seine Art die Dinge zu sehen, der Austausch, ihm zuzuhören, wenn er Geschichte mit Geschichten verband. Und ihm etwas vorzuspielen. Zu wenig. Viel zu wenig ist davon in meinem Kopf, in meinen Erinnerungen. Das was dort ist, wird nicht verblassen, aber es ist zu wenig. Ich brauche keinen Rat, ich brauche keine Unterstützung, aber sein "ganz köstlich", wenn er den ersten Löffel Suppe geschmeckt hatte. Das lang gezogene "Ja", wenn er den Gedankengang eines anderen bestätigte. Oder der Glanz in seinen Augen, wenn er von der Malerei sprach. Viel zu wenig. Viel zu wenig ist davon in meinem Kopf, ich will mehr. Noch einmal ein paar Jahr zurück, noch einmal reden, hören, austauschen. Und ihm ein paar Texte zum Lesen geben, mit ihm ein paar Gedanken teilen. Seit einigen Tagen kommen sie, diese Gedanken. Gehen nicht weg. Und im Grunde genommen bin ich auch froh, dass sie da sind.
Ich bin und bleibe kraftlos, aber ich habe noch einen Korb mit Grüßen. Für meine Katze, die nicht aufhören will, mich mit Zuneigung zu versorgen und vielleicht der beste Spiegel ist, den ich habe. Für die Frau mit der ungewollten Zahnlücke, die sich beim Sprechen schämt. Und ich habe ein paar Grüße für Wind und Regen, weil ich mich mit ihnen zumindest jahreszeitlich zu Hause fühle. Allen wünsche ich eine ruhige Nacht, ich werde noch ein wenig mit der stummen Inga diskutieren.
Ich bin und bleibe kraftlos, aber ich habe noch einen Korb mit Grüßen. Für meine Katze, die nicht aufhören will, mich mit Zuneigung zu versorgen und vielleicht der beste Spiegel ist, den ich habe. Für die Frau mit der ungewollten Zahnlücke, die sich beim Sprechen schämt. Und ich habe ein paar Grüße für Wind und Regen, weil ich mich mit ihnen zumindest jahreszeitlich zu Hause fühle. Allen wünsche ich eine ruhige Nacht, ich werde noch ein wenig mit der stummen Inga diskutieren.