In der Zwischenzeit

Meine Katze hat ihren Lieblingsplatz gewechselt. Spontan. Nach monatelangem Liegen auf einem Stuhl, weicht sie mir im Bett nicht mehr von der Seite, legt sich mittlerweile sogar direkt neben meinen Kopf. Nicht immer. Aber es häuft sich zunehmend, dass sie am Kopfende Platz nimmt. Behaglich. Vielleicht spürt sie auch mehr als ich, dass es gut ist. Dass ich die Nähe brauche. Vielleicht braucht sie auch die Nähe. Vielleicht genießt sie es auch nur, dass ich so wahnsinnig bin und bei sommerlichen Temperaturen in meinem Bett liege und mich unter der Decke verkrieche. Ja, das Wetter ist so schön, aber ich gehe dennoch nicht raus, denn die Aussicht ist mir genug. Was ich denn in meiner Freizeit machen würde, wurde ich kürzlich gefragt. Nichts. Ich denke nach. Und ich schreibe. Für gibt es keine Freizeit oder eine Arbeitszeit, es gibt nur das Leben. Betrachtete ich es anders, ginge mir vermutlich der Spaß an dem verloren, was ich mache. Mir. Andere denken anders.

Mittlerweile. Nein, ich schreibe lieber: In der Zwischenzeit. Ich mochte das immer bei Comics oder auch Filmen, wenn eben dieser Satz auftaucht. Ein Gefühl von Nähe zur Geschichte, das sich bei mir dann einstellte. In der Zwischenzeit habe ich mich ein wenig beruhigt, meine ausufernden Gefühle sind in den Uferböschungen versickert. Es war gut, dass ich gestern Abend noch Besuch bekam, der mir meinen Kopf reinigte. Zufällige Reinigung nebst Erheiterung und Erweiterung des Bewusstseins: Ich bin nur ein lachender Haufen Schmerz - was für ein Satz, der plötzlich im Raum schwebte, noch immer durch mich dringt. Manchmal ist das Leben genau in den Momenten wundervoll, in denen ich nicht daran denke, dass sich meine Mundwinkel nach oben bewegen könnten. Und so konnte ich dann doch Schlaf finden, so konnte ich mich beruhigen und meinen Kopf leeren. Mittlerweile, nein, in der Zwischenzeit habe ich auch einen Großteil meiner Kraft wieder gefunden und viel bewegt.

In der Zwischenzeit. Zwischenzeit. Ein wirklich schönes Wort, das ich mir gerade auf der Zunge zergehen lasse. Die Zeit dazwischen. Zwischen den Gedanken. Zwischen den Bergen. Zwischen den Haaren. Zwischen den Bäumen. Zwischen den Beinen. Zwischen den Zähnen. Zwischen den Gefühlen. Die Zwischenzeit. Und jetzt habe ich Fusseln am Mund, weil ich in der Zwischenzeit alles mitgesprochen habe. Selbst Schuld.

Und in der Zwischenzeit hat meine Katze wieder ihren Platz am Fußende des Bettes eingenommen, liegt auf dem Rücken und verstrahlt Behaglichkeit, ohne sich darum zu kümmern, wie das wohl funktioniert. Ich genieße die Ruhe in meinem Kopf und schicke den Rest meines Sonnenlächelns an alle Lesenden.

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