Farbliche Vorzüge

Es muss nicht immer alles einen Sinn haben, manchmal ist es auch schön, wenn ich mich nur treiben lassen kann, wenn ich nicht nachdenken muss, wenn ich mir keine Gedanken mache. Ha. Das klingt so einfach, dass ich lachen muss. Aber der Ansatz ist lobenswert, wenngleich es auch unmöglich ist, Wasser zum Brennen zu bringen, so werde ich es doch immer wieder versuchen, meine Gedanken im Zaum zu halten. Abschalten. Wo ist der Knopf? Ich mag die alten Drehknöpfe so gern, bei denen ich gegen einen Widerstand mit einem klickenden Geräusch das Gerät einschalte. So wie bei meinem alten Radio, das leider nur noch in meiner Erinnerung existiert. Schade. Aber dieses Klicken. Der alte Kopf. Und wenn ich jetzt länger darüber nachdenke, dann hatte das Furnier - ich glaube, es war doch nur aus Plastik - genau die Farbe der neu von mir eingestellten Schrift. Hm. Und wenn ich dann noch länger nachdenke und die anderen Farben der Seite ansehe, dann merke ich, dass die Bilder, die ich mache und gern mag, zurzeit immer ein hohes Maß an Gelb in sich haben. Gelbinen bevorzugt. Oder heißt es dann Gelbienen?

Sich für einen Kinoabend zu verabreden und dann nicht ins Kino zu gehen, das empfinde ich als spontan. Andere bezeichnen es als launisch. In meinen Augen ist es der einzig richtige Weg: Lust oder nicht, am Ende steht ein Gefühl, mit dem ich mich wohlfühlen muss. Und diesen Weltuntergangsfilm kann ich mir auch ein anderes Mal ansehen. Am besten, wenn er in meinem eigenen Kino läuft und ich selbst die Anfangszeit bestimme. Ohne Werbung. Ohne Popcornrascheln. Ohne einen widerlich riechenden Kerl neben mir. Ohne einfältige Kommentare aus dem Dunkel. Und ohne die nervige Frage: "Darf ich mal vorbei?" Ach, ich sollte gar nicht mehr ins Kino gehen. Oder eben doch nur wie bisher in die Spätvorstellungen. Für mich ist das angenehmer, aber ich finde es auch gut, dass andere Menschen mit den Massen ihrer Artgenossen keine Probleme haben. Der Abend, den ich gestern nicht im Kino verbracht, war dann doch noch großartig. Unter anderem deswegen, weil ich noch immer darüber lache, dass sich Menschen zu "After-Work-Partys" treffen und das deutsche Wort dafür nicht kennen, weil es das angeblich nicht gibt, und sich dann vorzugsweise bei acht Grad an die Tische im Freien setzen und die Sonnenbrille auch noch gegen Mitternacht stolz auf der Nase tragen. Schön. Ich freue mich, welch simple Dingen mich erheitern.

Es ist schon wieder Freitag. Und dann gibt es Feiertage. Nicht für mich. Aber ich wünsche allen, dass sie Ruhe und Kraft finden. Seltsamerweise kann ich mich über den Mangel an beiden momentan nicht beklagen.

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