Wortspiele

Doch, ich bin müde. Wirklich. Diesmal bin ich es, aber es geht mir gut. Glenn Miller im Abspielgerät, quakende Posaunen und Trompeten und ich fühle mich wohl. Betrunken? Nein, aber berauscht. Oh. Nein, keine Drogen. Aber es geht mir gut. Rekordzeit beim Arbeiten, alles scheint sich langsam zu fügen. Zwar nimmt mir mancher übel, dass ich mich zurzeit ein wenig rar mache, aber die wichtigen Menschen verstehen das. Berauscht bin ich. Von den einfachen Dingen. Zum Beispiel die Erkenntnis über eine Tastenkombination in meinem Bildbearbeitungsprogramm. Simpel. Aber erhebend. Ein Auftrag - nicht Neues, aber wundervoll. Oder eben schlicht großartig. Ich fasele dummes Zeug? Es ist schon spät, ich muss nicht immer literarisch wertvollen Müll hier abladen. Nein. Da kann ich mit ganz anderen Worten aufwarten. Kreationen des Profanen, die mir zur mittäglichen Stunde in den Sinn kamen und meine Mundwinkel zum Hüpfen brachten. Eine einzige Kreation, die meine rechte Augenbraue in die Höhe schnellen lässt. Raketensperma. Nein, ich bin nicht betrunken, keine Drogen. Aber dennoch habe ich dieses unsinnige Wort niedergeschrieben. Und ich muss immer noch lachen. Was für ein Tag. Mit oder ohne dieses Wort. Nein, lieber mit dem Wort. So, und nun reicht es aber. Gestern bekam ich eine Nachricht, dass in meinem Tagebuch nur Schwachsinn stünde und ich war mir nicht sicher, ob es Lob oder Kritik sein sollte. In jedem Fall kann ich den Anforderungen gerecht werden. Denke ich. Ein schwacher Sinn stärkt jedenfalls meine Gedanken.

Meine Brille ist wieder weg. Ich habe keine Ahnung, wo sie sein könnte. Das kommt dabei heraus, wenn Unordnung herrscht. Innen und außen. Ich muss schon wieder aufräumen, ich muss mich schon wieder neu organisieren. Aber ich kenne das schon, ich weiß, wo ich anfangen muss. Allerdings nervt es mich, dass ich wieder anfangen muss. Wirklich.

Dauernd stoße ich auf. Vergangenheitsrülpser. Furchtbar. Immer wieder. Ein leichtes Würgen im Hals, dann die Luft, die sich nach oben drückt, um dann mit Getöse zu entweichen, Erinnerungen mit der schlechten Luft nach draußen bringt. Es ist ermüdend mit der Hand nach frischer Luft zu fächeln, es ist ermüdend, mich ständig zu bewegen, um diesen Gerüchen zu entfliehen. Nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart lebe ich und plane für die Zukunft. Es ist schwer und ich fühle mich in diesen Dingen immer wieder unverstanden. Immer wieder. Nicht planen. Nicht Monate in meinem Blick, aber Morgen. Und die Sekunden, die mich umgeben. Immer. Das Aufstoßen gehört dazu, kann ich aber unterdrücken. Denke ich. Die Vergangenheit ruhen zu lassen, sie zu verdauen, das ist wichtig. Ich werde besser. Denke ich. Nein, ich bin mir sicher.

Allen wünsche ich Schlaf. Mir auch. Und allen wünsche ich einen Gedanken in der Gegenwart. Lächeln ist immer gut. Da bin ich mir sicher.

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