Spargelb

Meine Augen mutieren zu einem permanenten Quell an Fehlern, die Aussetzer häufen sich und ich reibe immer öfter an ihnen herum. Ja, das soll ich nicht machen, ich weiß es ja. Aber die Augen jucken fatal, Und dann das Zucken, das Flimmern, ich nenne es Phasenverschiebung. Das wirkt auf mich nicht sonderlich gesund, nein, vielleicht sollte ich die Monitore wechseln, die Flachbildschirme sind angeblich besser für die Augen. Besser. Vermutlich verhält es sich damit so, wie die Weingummis ohne Fett, die angeblich nicht dick machen. So funktionieren die Flachbildschirme. Sie sind besser für die Augen, aber immer noch schlecht. Naja. Mein Tragbarer macht da freilich eine Ausnahme: Ihn auf dem Schoß zu haben ist schon etwas anderes. Denke ich. Wie auch immer: Meine Augen brennen und ich muss etwas tun. Vielleicht halte ich mich morgen mal von den Rechnern fern, das wäre sicher ganz vernünftig.

Überall diese Farben. Wundervoll. Ich glaube, es sind die Spargelfelder, die nun langsam vom Grün ins Gelb wechseln. Spargelb für die Spargel.

Oktoberende

Klamme, dünne Zweigenfinger
Baumstrichlange Astgemälde
Stapelweise Blattgeraschel
Im Gelb der blassen Herbstgefahr

Milchig, dünne Nebelfarbe
Regenfades Tuschewasser
Feuchtgeklebte Erdreichkörner
Im Grau der blassen Herbstgefahr

Mundgewinkelleisten abwärts
Augenblauer Rahmenblick
Kraftzeitlose Herbstgedanken
Im Kopf der blassen Herbstgefahr

Hm. Fiel mir gerade ein. Ich. Doch, das lasse ich jetzt hier stehen, ich werde es sicher noch einmal überarbeiten und vielleicht dann bei den Gedichten unterbringen. Hm. Ein wenig nachdenklich. Gut, ich kann noch schreiben. Zufrieden bin ich natürlich nicht. Natürlich nicht. Hm. Doch, ich lasse es hier stehen, Finger weg, Armin. Wenn ich es jetzt lösche, finde ich es nicht wieder und kann mich auch nicht mehr erinnern. Lieber erinnere ich mich an etwas Ungutes als an gar nichts. Glaube ich.

Hallo Wien. Nein, keine Grüße an das Nachbarland. Hallo Wien, denn ich weigere mich, diesen Anglizismus zu benutzen oder ein Fest zu begehen, das einfach klaglos und wahllos übernommen wird. Ohne Hintergrund. Vielleicht deshalb, weil das Volk diese Ablenkung braucht. Ach, wie garstig dieser Gedanke ist. Hallo Wien. Wir verkleiden uns und gehen von Tür zu Tür, schaffen stattdessen den Karneval ab - oh, den finde ich auch seltsam - und feiern am 4. Juli den Unabhängigkeitstag. Darauf warte ich, das wird sicher auch noch kommen. Sie ziehen durch die Straßen von Wuppertal oder München oder Köln und feiern den Unabhängigkeitstag. Ach. Naja. Wer sich verkleiden will, soll das tun. Meinetwegen auch am 31. Oktober, aber ich finde es dennoch seltsam. Wir gehen verloren, wir alle. Die Sprache. Vor allem. Den Zeitungsausschnitt an meiner Wand muss ich unbedingt mal kopieren: Flucht aus der Sprache. Angeblich sollen schon 30 Prozent der deutschen Sprache aus Anglizismen bestehen. Schauderhaft, ich werde versuchen, sie bis zuletzt zu umgehen. Wundervolle Sprache, die deutsche. Aber sie halten lieber die Gehsteige als ihre Gedanken sauber, das enttäuscht mich. Nicht nur ein wenig. "Das muss man so sagen", erklärte mir kürzlich eine Frau aus einer Werbeagentur. Ich muss es nicht und ich finde es grässlich. So. Nun ist es raus. Bestimmt kommen diese Anfälle immer wieder, ich leide an der Anglizismen-Phobie. Ansteckend ist es leider nicht. Schade.

Das beste Ypsilon von allen war heute übellaunig - und ich kann es verstehen. MIt diesen Eltern im Gepäck, muss jeder emotionale Höhenflieger abstürzen: Zum einen ist es übergewichtig und zum anderen explodiert es. Ganz sicher. Wenn ich diesen Menschen einmal gegenüberstehen sollte, werde ich sie mit bodenloser Freundlichkeit bestrafen, denn alles andere verstünden sie ohnehin nicht. Und mich machen diese Menschen krank, mich enttäuscht es so sehr, dass so ein wundervoller Mensch wie das beste Ypsilon von allen derartigen Ballast mit sich herumtragen muss. Das ist ungerecht, eine Neuverteilung wohl ich nicht möglich. Gewänne ich im Lotto, dann bekäme das Ypsilon den Löwenanteil, nur damit es endlich in Ruhe leben kann. Furchtbar, mich beschäftigt das. Immer wieder.

Kurioser Traum in der vergangenen Nacht: Da wollte mich doch eine Zeitung zwingen, eine Unterlassungsurkunde zu unterschreiben, in der ich mich verpflichte, keine Texte mehr zu veröffentlichen, die Mannschaften aus ihrem Gebiet betreffen. Pah. Ich habe nicht unterschrieben und bin verwirrt aufgewacht. Immerhin beginne ich mich wieder an meine Träume zu erinnern. So wie am Sonntagmorgen, als noch die Frage des Pastors und meine Antwort im Kopf hatte: "Ja, ich will." Na, so weit wird es nicht kommen, der Teufel ist kein gern gesehener Gast in der Kirche. Aber ich träume und ich erinnere mich. Fein, ich denke, mein Kopf befreit sich langsam. Das ist ein Grund zum Lächeln. Denke ich.

An die Arbeit. Herr Sengbusch, sie waren lange genug hier. Gut, Grüße: An F., den Ungläubigen - und ich werde noch einmal über meine Wasser-Theorie nachdenken und eine neue Rubrik wird es bald geben, warte ab. An das beste Ypsilon von allen, das mir in den kommenden Tagen fehlen wird, aber heute wieder einmal Unglaubliches leistete und an C., denn ohne wäre es anders. Ist es aber so auch. Schön. Der Montag ist da und ich bin es auch. Fast. Ich stehe schon beinahe wieder.

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