Nachtkämpfe

Es ist 5.37 Uhr und ich beginne klar zu denken. Die Nacht liegt hinter mir, vielleicht liegt sie auch vor mir, ganz sicher bin ich mir nicht. Sicher bin ich mir hingegen darin, dass ich vor wenigen Minuten mit der Arbeit fertig geworden bin. Tapferer, kleiner Armin. Ich habe mich nicht ermüden lassen. bin noch immer wach. Mein Körper ist es, mein Kopf ist es ohnehin. Er wird nie richtig schlafen und immer dann, wenn er es versucht, geschehen um ihn herum eminent wichtige Dinge, so dass an Schlaf nicht zu denken ist. Nicht zu denken. Hm. Nicht denken. Ich wünschte, ich würde irgendwann einmal den Schlüssel zu dem leeren Raum in meinem Kopf finden. Ein leerer, hohler Raum, ohne Gedanken, ohne Erinnerungen, keine Bilder an den Wänden, keine Musik, die ertönt. Nur Leere. Vielleicht gibt es diesen Raum in meinem Kopf nicht, vielleicht gibt es diesen Raum nirgendwo. Wenngleich ich immer wieder glaube, dass andere so einen Raum besitzen. Andere. Vielleicht täusche ich mich. Hm.

Seltsame Gedanken, Erinnerungen treiben durch mich. Woher die wohl kommen. Ich überlege, wie lange es her ist. 14 Jahre. Genau. Oder sogar 15 Jahre. Ja, das sollte stimmen. Als ich bei E. und TB Quartier bezog, auf der Flucht vor den Eltern. An den Kachelofen erinnere ich mich, an das erste Weihnachten mit anderen Menschen und dem Klos in einem Hals. Ich weiß nicht, wie ich jetzt darauf komme. Hm. Aber diese Erinnerungen. Sind gut. Abgesehen von Weihnachten. Hm.

Es werden immer mehr, die sich an meinen Gedanken festsaugen. Warum auch nicht, mich stört es nicht - wäre es so, dann machte ich das Falsche. Nein, es ist gut so, wie es ist. Denke ich. Auch wenn ich nicht immer nachvollziehen kann, warum die Menschen diese Gedanken, meine Gedanken lesen. Und folgt ein perfider Gang durch meinen Kopf: Vielleicht habe ich das alles nur erfunden, nichts ist wahr, existiert nur in meinem Kopf. Nur in meinem Kopf. Für das, was ich schreibe, gibt es keine Beweise. Vielleicht bin ich ein verheirateter Endvierziger, der über das Schreiben ein Ventil für seine zerrüttete Ehe sucht? Oder ich bin ein wirrer Mensch um die 20, der seine Zukunftsvisionen beschreibt. Ich könnte alles sein. Und bin doch der eine, der ich bin, kann mich nicht verstellen. Will ich auch gar nicht. Aber der Gedankengang ist gut: Alles nur erfunden, kein Wort wahr, aber ein intaktes Konstrukt aus Lügen, Phantasien und Erlebtem. Manchmal wäre das vielleicht auch ganz schön, dann müsste ich mich um den ganzen Unfug, der mich momentan belastet, gar nicht kümmern. Der Lottogewinn gehört auch an diesem Wochenende jemand anderem - schade, aber es hat sicher den oder die Richtige getroffen.

Zwei Minuten. Vielleicht auch fünf. Minuten. Schlaf. Ganz kurz. Mein Start in die Woche kommt noch, auch wenn bereits Montag ist. Ich bin noch nicht in der neuen Woche, ich bin noch im Nirgendwo. In der Nacht. Bin ich. Bevor ich doch noch ein paar Minuten ruhe - Grüße: An M., der sich doch nun bitte mal entscheiden soll. Mensch! An T. und an das beste Ypsilon von allen. Und an C. - es wird eine anstrengende Woche. Ich lasse allen einen kleinen Vorsprung in die Woche: Lauft schon einmal los, ich komme hinterher. Nur fünf Minuten. Ruhe.

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