Der Abschied

13.44 Uhr: Augennullstand. Ein interessanter Effekt, ich hätte ihn gern von der anderen Seite der Pupille betrachtet. Überarbeitet. Vermute ich. Zu viele Blicke auf die Monitore nehme ich an. Flimmern, alle Bilder waren bewegt, ich habe noch immer Schmerzen. Wirklich, ich brauche Ruhe und ich sollte auf mich hören. Am Montag. Am Montag werde ich mich ausruhen. Vielleicht gestalte ich das Wochenende um, werde am Samstag keine weite Fahrt auf mich nehmen, sondern ein paar Bilder von einem Spiel machen, das nur wenige Minuten entfernt ist. Ich weiß, dass ich den richtigen Weg finden werde, das ist mir schon immer gelungen. Schon heute Abend habe ich mich für die Ruhe entschieden: M. ist hilfreich und gibt Ergebnisse ein, ich werde niemanden anrufen und nach einem Spielbericht fragen. Dafür folgt zu später Stunde noch das Kino mit T., die lange darauf warten musste, mal wieder mit mir ins Lichtspielhaus zu gehen. Auch das wird mir gut tun, keine Frage. So wie es mir gut tat, dass ich mich heute Mittag einfach ins Bett legte und für einige Stunden schlief. Nein, kein Schlaf, es war mehr ein Dösen, ein Suchen nach Gedanken, nach Lösungen. Noch habe ich keine, aber das Bett tat mir gut. Sehr gut. Kalt ist mir. Innen wie außen. Ich hoffe nur, dass ich im Kino nicht friere.

Ich habe mich vom Fußball verabschiedet. Vom aktiven Teil. Es ist mir nicht schwer gefallen, überraschend. Aber der Weg zur Entscheidung war langwierig. Sehr langwierig. So sehr ich es genieße, mich zu bewegen, so viel Spaß ich an dem Sport habe, so sehr strengt mich der Druck an, unter den ich mich selbst setze, die Erwartungshaltung der anderen, die wissen, was ich leisten kann. Kann. Genau. Ich kann. Aber ich will es nicht mehr. Ich habe genug Erinnerungen, ich weiß, was ich kann oder was ich konnte, ich muss mich mit niemandem mehr messen. Ein wenig seltsam ist er, der Abschied. Fast 30 Jahre war der Sport ein Teil meines Lebens, jedes Wochenende auf dem Rasen, Spaß am Spiel, am Gewinnen, Ärger über die Niederlage, Frust ob der eigenen Leistung, stolz auf die Erfolge. Ein kleiner Teil meiner Erinnerungen, ein Ventil war es für aufgestaute Energien. Jetzt ist Schluss. Manche Dinge dauern länger, manches begleitet mich nur kurze Zeit, einiges über Jahre hinweg. Aber alles ist endlich. Vielleicht schlage ich einen Nagel in die Wand. Symbolisch. Ich hänge meine Fußballschuhe daran auf und lächle, wenn ich sie sehe. Noch mit dem Schmutz des letzten Spieles an den Sohlen. Ja. Der Gedanke gefällt mir. Fußball, leb wohl.

Oh, ich muss mich eilen. Zu spät komme ich. Wieder einmal - auch wenn T. um meine beständige Unpünktlichkeit weiß. Grüße. An C., immer wieder an C., die wie eine Wanne voll warmen Wassers ist, bei der die Temperatur einfach richtig ist und es keinen Grund gibt, das Nass zu verlassen. An das beste Ypsilon von allen, die auf einem guten Weg ist, alles ganz allein zu schaffen und an P., die ich gut verstehen kann und der meinen Arm und meine Schulter leihe. Virtuell. Mehr ist aufgrund der Entfernung nicht möglich. Nicht möglich. Es kommen bessere Tage, ich bin mir sicher. "Things can only get better" - Howard Jones. Wie wahr, wie wahr. Ich lächle heute Abend wieder ein wenig und ich versende meine hüpfenden Mundwinkel an alle, die es lesen wollen.

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