Guten Tag

Ich habe Probleme damit, anderen Menschen die Hand zu geben. Immer wieder merke ich es, gerade bei diesen gesellschaftlichen Anlässen. Guten Tag. Guten Tag. Die Hand. Geben. Nehmen. Drücken. Nicht zu fest, nicht zu leicht. Guten Tag. So anstrengend. Ich halte meine Kamera fest in den Händen, so als ob sie herunter fallen könnte, lächle und nicke. Freundlich. Die Menschen, die mich umarmen. Wollen. Ein gehauchter Kuss auf, nein, neben die Wange. Ich höre das Klicken, das leise Schmatzen. Rechts, links. Guten Tag. Anstrengend. Aber wenn ich arbeite, dann lassen mich die Menschen in Ruhe. Meistens. Vielleicht ein paar Fragen nach der Kamera. Die sicher sehr teuer war. Ja. Mit der man sicher tolle Fotos machen kann. Ja, deswegen habe ich sie gekauft. Es ist anstrengend. Ich muss dann immer an den Satz denken: "Sie wollen doch nur spielen." Ja, sie wollen spielen. Oder nur reden. Ich weiß nicht warum. Ich bin vermutlich wirklich seltsam, ich würde auch mir nicht die Hand geben. Nein. Ein Brauch, dessen Sinn ich noch nicht begriffen habe. Einen lieben Menschen zu umarmen, ja, das ist mir wichtig. Aber einen Fremden oder fast Unbekannten? Berühren? Umarmen?

Dieser Tag war so anstrengend, weil ich fünf Stunden hinter dem Sucher verbrachte, weil ich auf dem Standesamt fotografierte, weil ich die ganze Zeit mit dem Tross der Verwandtschaft unterwegs war. Die Gespräche, über Onkel und Tanten, mit Onkel und Tante, die Schwester, die das alles schon hinter sich hat. Und kein Lichtblick. Noch immer Kopfschmerzen. Jeder entscheidet für sich allein, wer heiraten will, soll es tun. Ich fotografiere gern. Aber der Sinn bleibt mir ebenso verborgen wie der des warmen Händedrucks. Morgen dann alles noch einmal, in der Kirche mit der anschließenden, ultimativen Feier. Ich werde sehen, was ich finde, was meine Kamera findet, was ich ablichte. Ein wenig graut mir davor. Ein wenig.

Müde. So müde. Grüße. An C. und an das beste Ypsilon von allen, die mir morgen all das abnimmt, was sonst verloren gegangen wäre. An M., dem ich von Herzen danke und an den anderem M., der nach überstandenem Schwächeanfall nach wie vor unverzichtbar ist. Oh, und an B., die neue Perle meiner Zeitung. Kurios, aber ebenso grandios. Allen anderen schicke mein müdes Rotweinlächeln.

Zuletzt geschrieben

Newsletter

captcha