Stürmische Ruhe

Der Tag ist vorbei. Kraftlos war ich gestern, kein Gedanke, der lohnenswert gewesen wäre, aufgeschrieben zu werden. Nein, anders: Es gab keine Gedanken. Ich soll ein gutes Spiel gemacht haben. Schön. Das freut mich. Den Gegner wird es gefreut haben, dass ich den Elfmeter verschossen habe. Aufmunternde Worte nach dem Schlusspfiff. Ich habe sogar ein wenig gelächelt, gelacht. Aber die anschließende Party, die als Siegesfeier geplant war, habe ich dann nicht lange ertragen. So viel Lächeln konnte ich dann doch nicht mehr geben. Ja, ich soll mir das nicht so zu Herzen nehmen, es ist ja auch nicht so schlimm, es ist nur ein Spiel, und das Leben geht weiter, es wird ja nicht der letzte Elfmeter gewesen sein, und es ist alles halb so wild. Ja. Richtig. Heute sehe ich es auch etwas gelassener. Etwas. Aber der Schmerz sitzt noch tief. Blitzartig durchzuckt mich das Bild, wie die Kugel am Pfosten vorbei streicht. Was für Engel muss mir auf der Schulter gesessen haben, dass der Teufel so versagte? Was für ein Teufel muss mich geritten haben, dass ich diesen Sport wählte? Ach, ich mag den Sport noch immer, aber ich schieße keinen Elfmeter mehr. Allein habe ich nicht verloren, aber ich weiß, das es mein Fehler war. Dumme Sache. Obwohl. Und nun nimmt mein positives Denken Überhand, dass mir so viele Menschen absprechen: Dieser Schmerz, ja, es ist ein Schmerz, gibt mir Kraft. Und der freie Abend hat mir Raum und Kraft für anderes gegeben, so dass ich mich schließlich so fühlte, als hätte ich an diesem Tag doch gewonnen. Nicht das Finale, aber den Kampf um diesen Tag. Und wenn ich jetzt Luft einatme, ein wenig lächle, dann ist wirklich alles nicht so schlimm. Ich lebe. Ich atme. Ich kann sprechen und schreiben. Viel mehr brauche ich nicht. Nicht viel mehr. Mein positives Denken, dass mich daran glauben lässt, dass diese Niederlage ein Sieg war, dass es für etwas gut war. Das wird so sein, das werde ich erkennen, wenn ich ein paar Schritte zurückgetreten bin und das ganze Bild sehen kann.

Ich wünsche allen ein ruhiges Wochenende gefüllt mit Lächeln und Sonne. Ich werde mich um mich selbst kümmern. Und ich werde arbeiten, wie an jedem Wochenende. Mit einem Lächeln.

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