Geldrausch

Ein großes Glas Baileys. Ein sehr großes Glas, fast könnte ich aus der Flasche trinken, so groß ist das Glas. Aber es ist auch voller Eiswürfel und deshalb ist nicht so viel Baileys im Glas. Glaube ich. Und neben dem Glas steht eine Schale, in die ich den Inhalt einer Makrelenfiletdose gefüllt habe, eingelegt in einer Paprikasoße. Die Filets. Und daneben liegt eine Flasche Vanille Cola, die ich auf den Heimweg an einer Tankstelle erstand. Dummerweise verlor ich dort, vermutlich im Rausch des Bargeldes, 100 klingende Taler. Nein, es waren Scheine und die unerquickliche, neumodische Währung. 200 Mark zu verlieren schmerzt, 100 Euro kann ich auch in die kleine Schublade des Krämerladens meiner Nichte stecken. Immerhin hat die freundliche Frau hinter dem Tresen meine Scheine wieder erkannt und eine Fahndung ausrufen lassen. Anders ist es nicht zu erklären, dass ich das Geld wieder in meiner Hosentasche habe. Was für ein Glück. Allerdings hat sich an der Währung nichts geändert, leider. Wer auf diese hirnrissige - übrigens ein wundervolles Wort, wenn ich es substantiviere - Idee gekommen ist, möchte ich heute gar nicht mehr wissen. Ich mochte den Geruch der D-Mark und die Frauen und Männer auf den Scheinen, das Silbergeld, die Pfennige, die ich auf Bahngleise legte, damit sie groß wie Wagenräder würden. Nein, sie wurden nur doppelt so groß - zumindest die, die ich wieder fand. Die anderen schwirren vermutlich noch immer als unbekannte Flugobjekte durch die Luft. Vermutlich. Warum dieser Anflug von Nostalgie? Nun, der Bezug zum Geld war für mich immer schwierig herzustellen, aber heute merkte ich, dass er mir mit der neuen Währung vollkommen abhanden gekommen ist. Es sind Zahlen, die ich nicht wertschätzen kann. Nur simple Zahlen. Ich könnte auch mit 100 Strümpfen bezahlen, aber so viele habe ich gar nicht. Mit 100 Mark konnte ich etwas anfangen. Ja, ich bin spät dran mit dieser Erkenntnis, aber ich möchte mir nicht nachsagen lassen, ich hätte mir mit der neuen Währung keine Mühe gegeben. Wir haben es versucht, aber die Beziehung ist gescheitert. Hoffentlich trennen wir uns friedlich, an mir soll es nicht liegen.

Was für ein Unsinn. Na, ich muss auch nicht immer in Tragik ertrinken, aber wer zwischen den Zeilen liest, findet ohnehin mehr. Und wer jetzt noch im Internet ist, der sollte schnell ins Bett gehen. Ich bin schon da und versuche, die Geschichte aus meinem Kopf zu kratzen. So wie ich gerade die letzten Reste der Makrelen aus der Schale kratzte. Allen wünsche ich eine entspannte Nacht und mir die Kraft für die Geschichte.

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