Einerseits und andererseits

Hm. Wenn ich durch das Internet streife, die Chat- und Kontaktseiten durchstöbere, mich durch die Profile lese, die Wünsche und Gedanken anderer seziere, dann werde ich nachdenklich. Nachdenklicher. Trübsinnig. Depressiv. Einerseits kann ich das alles verstehen, einerseits sind die Wünsche so natürlich und auf der anderen Seite kommt das alles für mich nicht in Frage. Ich kann es mit jedem Buchstaben spüren, den ich lese, die Gedanken, die Sehnsüchte nach Geborgenheit. Und dann will ich das auch, weiß aber im selben Moment, dass ich nicht haben kann. Das schmerzt. Das lässt mich haltlos treiben. Ein klares Ja zur Nähe, aber bitte nicht so nah. Und dann auch nur manchmal. Eher seltener. Hin und wieder klappt es, so wie mit B. - da funktionierte es fast vier Monate. Hu. Aber nicht länger. Das ist schon seltsam, wirklich. Ich wollte immer allein bleiben, ich weiß, dass ich immer allein bleiben werde - aber ich bin nicht glücklich damit. "Dann ändere doch etwas", kann die Stimmen hören. Ja, das ist wirklich schlau, das ist wirklich sehr weise - genauso, wie sich Menschen plötzlich ändern und so oft und so lange allein sind, wie ich es bin, genauso werde ich ich mich ändern und plötzlich eine Familie gründen und in Zweisamkeit oder noch mehr baden. Quatsch. Aber ich wünsche mir manchmal, dass es klappt, dass es funktioniert. Nein. Wird es nicht. Ich kann nicht alles haben, es geht nur eine Sache. Ich kann schreiben, Musik hören, Hui Buh streicheln und gleichzeitig einen Film sehen. Aber ich kann nicht allein sein, meine Ruhe haben, einem Menschen Geborgenheit geben, zuverlässig sein und den Kinder eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen. Da fallen mir meine Nichten ein, die ich schon so lange nicht gesehen habe. Schon so lange. Mit dem Zug nach München. Keine Zeit. Keine Ruhe. Und ich muss noch ein wenig für mich sein. Zwischen all der Arbeit.

Die Gleichgesinnte ist berauscht von der großen Stadt - und ich beneide sie ein wenig. Ein wenig. Die neuen Eindrücke, die Sprache und der Duft des fremden Landes. Nicht jede Stadt riecht gleich. Und ich vermisse Sydney, vermisse die Ostküste und den feinen Sand unter meinen Füßen, der quietscht wie der Hallenboden unter meinen Sportschuhen. Und meine Lederhose. Die Erinnerungen tun gut. Australien. Ich muss wieder dorthin. Hm. Montag kehrt die Gleichgesinnte zurück, voller Bilder und vielleicht steckt mich das an. Das wäre fein.

Das Arbeiten auf kleiner Flamme tut mir gut, ich schaffe es beinahe, meine gesetzten zeitlichen Einschränkungen einzuhalten. Beinahe. Ich brauche noch ein wenig mehr Disziplin, aber ich übe noch. Mal sehen, ob ich morgen das alles bewältigen kann, was ich mir vorgenommen habe, was ich tun muss. Hm. Aber ich bin guter Dinge, ich werde das schon schaffen. Irgendwie. Dann schaffe ich es auch am Nachmittag, noch zu AltA zu fahren, bevor dann am Abend Frau H. kommt und mit mir zusammen den FBI-Agenten Mulder und Scully beim Lösen ihrer Fälle zusieht. Das wird fein, das wird spannend und entspannend. Wie schön. Ja, vorher muss ich nur ein wenig arbeiten. Ein wenig. Aber morgen wird ein guter Tag. Ja.

Ein paar Grüße. An AltA und an Frau H., an die Gleichgesinnte und an Hui Buh. Ich bin noch immer leer, aber ich bin dabei, mich zu füllen. Langsam. Ich komme langsam wieder zu mir. Bald gibt es auch wieder Gehaltvolles von mir. Geduld. Danke.

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