
Wach, wach, wach, wach. Und noch einmal: wach. Drei Nächte in Folge, ich mit Nachdenken verbracht habe, vielleicht komme ich ins Guiness Buch der Rekorde. Wobei das auch nicht ganz korrekt ist, denn in der vergangenen Nacht saß ich bei Frau H. und wir sahen acht Folgen "Akte X". Die ersten acht Folgen mit den jungen Agenten Fox und Mulder, was für ein Spaß. Und das fast die ganze Nacht, morgens um fünf war die Mystik in meinem Körper, draußen wurde es hell, die Autobahn war leer und mein Kopf war voll. Prima. So konnte ich dann zu Hause noch in Ruhe nachdenken, statt zu schlafen. Dass ich am Ende doch noch geschlafen habe, war wichtig, denn ich denke, ich hätte den Tag heute sonst nicht überlebt. Aber. Ja, aber. Ich bin am Ende, ich bin jetzt wirklich kraftlos. Nein, die schlaflosen Nächte sind dafür nicht die Ursache, sie sind ein Symptom und sie haben sicher auch dazu beigetragen, dass ich kraftlos bin - aber sie sind nicht die Ursache. Ausgangspunkt für die Misere, für das komplette, mundgerechte Drama ist die beschämende finanzielle Situation. Beschämend, ja, das ist das richtige Wort. Ich war bereits jenseits dieser Grenze, alles war einfach klar. Klingende Taler genug, um mir all das zu leisten, was ich wollte. Puh, ich bin jetzt wirklich froh, dass ich mir damals den Audi TT nicht gekauft habe. Himmel. Das wäre in jeder Hinsicht ein Fehler gewesen. In jeder Hinsicht. Und jetzt wäre es der definitive Untergang. Ach. Bah. Und jetzt muss ich meine Mutter um lumpige zehn Euro bitten, damit ich mir meinen Eistee kaufen kann. Mensch! Noch einmal und ich reiße mir die Zunge heraus. Furchtbar. Ich komme mir vor wie einer der Kerle auf dem Hauptbahnhof. Oder in der Mönckebergstraße. Das gibt es ja alles gar nicht, ich arbeite wie ein Berserker und am Ende bedankt sich nur das Finanzamt und mein Kühlschrank niest. Gesundheit. Ja, das kann ich auch gebrauchen. Danke.
An Tagen wie diesen habe ich wirklich keine Lust mehr, ich habe auch schon jetzt keine Lust auf den Dienstag, geschweige denn, dass ich Lust hätte, heute Abend einzuschlafen. Warum auch? Um morgen wieder aufzuwachen? Und dann? Ach ja, dann wird alles besser, neue Energien, ich erschlage alle Menschen mit meinem positiven Denken und plötzlich wird alles gut. Humbug. Ich frage mich wirklich, woher ich noch die Kraft für positive Gedanken hernehmen soll. Woher? Ich bitte um zwei Tage, zwei Tage Ruhe, an denen ich mich erholen kann, an denen ich meinen Kopf treiben lassen, an denen kein Telefon klingelt und ich dann auch nicht daran denke, dass ich viel Geld verdienen muss und jede Sekunde kostbare Zeit ist. Zwei Tage. Wenn ich mir etwas wünsche, dann keinen Lottogewinn, sondern lumpige zweit Tage Ruhe. Mensch, andere haben alle fünf Tage mindestens 48 Stunden Pause - so lässt es sich wahrlich leben. Denke ich. Himmel. Zwei Tage. Ich bekomme nicht einmal 24 Stunden. Nicht einmal das. Es ist enttäuschend. Ja, das ist es.Jetzt ist Schluss. Für heute. Ich brauche wirklich Ruhe. Wirklich. Wie auch immer sie kommen mag. Ruhe.
Grüße. An E. mit dem Dank für das Verständnis, an die Gedankenschwester, weil Du einfach da bist und an Frau H. - meine Leber bleibt bei mir, das sage ich Dir. An meine Katze und an meinen Kopf - hallo? Und jetzt mache ich alles zu und halte ein paar Gedanken fest. Am besten im Schlaf.