Der Entschluss
Zu lange geschlafen, viel zu lange geschlafen. Als ich heute, nein, gestern wach wurde, war es bereits Mittag. Genau genommen war es schon halb eins. Und ich lag noch immer im Bett, unfähig aufzustehen. Müde im Kopf, müde im Körper, elend in den Gedanken. So erschöpft von an dem Unfug, mit dem ich mich befassen muss. Ich bin es leid. Mehr als das. Überdrüssig. Ich finde keine Ruhe, ich kann keine Ruhe finden, so lange diese Zeitung mir gehört, so lange ich mich fortwährend darum kümmern muss, dass es weiter geht, dass neue Texte erscheinen, dass alles in Bewegung, Bewegung, Bewegung ist. Ich bin kein Journalist, ich bin kein Chefredakteur, ich bin Verantwortlicher. Für mich und mein Handeln - ja. Aber für andere, die für mich arbeiten - nein. Das geht so nicht weiter. Und muss mich nicht einmal bei dem Gedanken ertappen, nein, ich gehe mit offen durch meinen Kopf: Ich mag diese Zeitung nicht weiter führen. Und wenn ich letztlich alles positiv sehe, wenn ich aus allem das Gute herausziehen kann, dann auch in den vergangenen Jahren, in denen ich alles für dieses Projekt gegeben habe. Aber jetzt ist Schluss. Schluss. Aus. Ich werde alle Energien darauf verwenden, mich von der Zeitung zu lösen. Im Grunde genommen ist es so, als setze ich das Kind, das ich gezeugt und genährt habe, nun auf die Straße. Auf die Straße, ja, ich will es nicht sterben lassen. Nein. Und deshalb habe ich heute den Satz formuliert: "Ich werde nun mit dem Schreiben Geld verdienen, damit ich mit dem Schreiben Geld verdiene." Oder so ähnlich. Ein Zeitlimit? Ja. Noch in diesem Jahr, wie auch immer ich das anstellen werde. Es gibt da Lösungsansätze und ich muss noch einiges bewegen. Vielleicht ein letzter Kraftakt, damit im Juli für mich Schluss ist und jemand anderes mein erwachsenes Baby heiraten kann.Niedergestreckt. Fast den ganzen Tag in Agonie, immer wieder war ich mir fremd in meinen Gedanken, immer wieder suchte ich nach Licht. Draußen die Sonne, ich mit dem Kapuzenpullover, einer Mütze und meiner Brille vor den Rechnern. In Gedanken. Nicht arbeiten. Ein wenig dann doch. Dann wieder Ruhe. Ein paar Mails gelesen. Wieder Ruhe gesucht, nicht gefunden. Das ist mir alles fremd, weil ich mich schon vor der Arbeit am Sonntag fürchte. Kein freier Tag, kein freier Tag. Nicht einmal der christliche Sonntag gehört mir. Gott machte Pause, der Teufel schürt sein Feuer ewig - und muss irgendwann an Überhitzung sterben. Wird er nicht. Aber das, was in mir ist, muss ich nach draußen tragen. Mit Geschichten, mit Bildern. Wieder mit Musik. Unzufrieden bin ich und das ist nicht gut. Ich ändere. Alles? Nein, aber vieles. Ich muss. Die Tage verlangen zu viel von mir, die Nächte können mir nichts mehr geben.
Es gab lichte Momente und die ausgerechnet in der langen Nacht: Ich träumte, dass ich das Schloss der Herren von Sengbusch beaufsichtigen solle, darin wohnen und dafür auch ein gewisses Salär erhielte. Nicht viel mehr als das. Das Erbe verwalten, nur verwalten. Nicht viel mehr als das. Die beiden verfeindeten Familienzweige befrieden. Nicht viel mehr. Und ich habe mich abgesichert, so dass das Schloss nur dann frei würde, wenn ich eines natürlich Todes stürbe. Unsinn? Hm. Ein kleines Zimmer habe ich dem Schloss bewohnt, den Rest brauchte ich nicht. Nur dieses Zimmer. Dort saß ich und schrieb. Nicht viel mehr. Und das alles war genug. Ein wundervoller Traum. Traum. Mehr nicht.
Wieder im Angebot der Endlosschleife: "...oh shit I gotta headrush..."
Noch ein lichter Moment: Ich habe die Fotogalerien überarbeitet und bin fast zufrieden. Zumindest ist es nun wesentlich leichter, Bilder auf den Server zu laden. Ärgerlich ist, dass ich nun die Beschreibungen wieder neu verfassen muss. Das ist wirklich nervig, aber nicht zu ändern. Dafür gibt es dann eben auch mehr und neue Bilder. Immerhin. Am Ende bin ich dann doch halbwegs zufrieden.
Ins Bett. Noch Grüße. An M., die Bilder schicke ich Montag raus - schön, wenn sie Dir gefallen. An die dunkle Seite der Macht - gefällt mir einfach besser - und an meine Katze, die es nun endlich begriffen hat: Ich habe nie an Dir hezweifelt. Schließlich noch an mein Bett und an meine Zukunft: Ihr gehört beide mir, mir allein. So. Und jetzt verschwinde ich endlich.