Blanker Horror
So, da bin ich wieder, zurück aus Hannover, zurück aus der kleinen Oase der Entspannung. Dass es so friedlich werden würde, hatten weder M. noch ich erwartet. Denke ich. Für mich waren es ein paar Stunden Urlaub, fast ein ganzer Tag. Ruhe, kein Telefon - bis auf einen lästigen Anrufer, der sofort wieder auflegte. Na, mein Geld ist es nicht, aber ich finde es ziemlich nervig. Zumal das im Grunde genommen in den vergangenen Wochen, ja, Monaten gar nicht mehr vorgekommen war. Einen Verdacht habe ich nicht, ich hoffe ich nicht, dass jemanden kenne, der so etwas tut. Ich mache es ja auch nicht. Glaube ich. Nein-nein, das mache ich nicht, ich rufe dann gar nicht erst an. So. Äh, wo war ich? Ach ja, der Nachmittag, der Abend bei M. Unter der Bettdecke liegend haben wir herrliche Horror-Hörspiele genossen. Auch wenn mich bei solchen Lächerlichkeiten immer wieder die Panik schüttelt, hatte ich meinen Spaß. Gut, zugegeben: So richtig Angst hatte ich nicht, aber M. hielt auch meine Hand. Ja, das war wirklich gut. Fast hätte ich sie gefragt, ob wir uns nicht gegenseitig die Adern aufschlitzen wollen und Blutsbrüder werden, um dann mit dem furchtbar bedeutungsschwangeren Ausspruch "Freund?!" alles zu besiegeln. Das, was die ganze Harmonie ausmacht, ist vermutlich, dass jemand genauso verrückt, selbstverliebt, leidend, kreativ, kritisch und gedankenversunken ist wie ich. Depressionen will ich M. nicht unterstellen, das sollen die tun, die sich damit auskennen. Oh, und zu allem Überfluss habe ich auch noch wohl geschlafen, die Lichter der Stadt haben mich nicht sonderlich geplagt und der Lärm in meinem Kopf hielt sich in Grenzen. Gelungen, ja, ein gelungener Nachmittag und Abend. Fotos habe ich auch noch gemacht, ein paar wirklich interessante Friedhofsbilder, aber die bringe ich erst morgen auf der Seite unter, heute reicht die Zeit nicht. Aber morgen. Ja, mein Lieblingstag: morgen. Heute ist noch so viel Arbeit auf dem Schreibtisch, dass ich ganz grau werde. Furchtbar.
Ich glaube, das Schlimmste ist gestern Mittag passiert. Und damit meine ich nicht das familiäre Essen, bei dem ich zwar anwesend war, mich aber nie so recht heimisch fühle. Nein, sicher nicht. Diese Anlässe sind ebenso steif wie überflüssig, das Zusammenfinden der Familie, weil diese Bande ja angeblich dicker als Wasser oder Blut oder beides sind. Ouh, darauf kann ich wirklich verzichten. Wenn ich einen Einfluss auf personelle Zusammenstellung gehabt hätte, dann wäre ich nur mit zwei Frauen Essen gegangen: Meiner Mutter und ihrer Mutter - das wäre adäquat, das wäre auch harmonisch gewesen. Hm. Ach, ich lasse mich jetzt darüber aus, obwohl ich etas ganz anderes schreiben wollte. Durchatmen. So. Jetzt. Wie konnten sie es wieder tun? Warum wird dieser Unsinn nicht endlich abgeschafft? Wie im vergangenen Jahr wird mir eine Stunde gestohlen, ich bemerke den Verlust erst, wenn es zu spät ist und muss mir mühevoll die 60 Minuten im Oktober zurückerobern. Dieser temporäre Wahnsinn hat keine Methode und ist überflüssiger als viele meiner Gedanken. Mensch. Ich habe mich entschieden, meine Uhren nicht umzustellen. zumindest nicht die, nach denen ich morgens aufstehe oder abends ins Bett gehe. Die wichtigen Termine in der Woche und am Wochenende werde ich einhalten und mich an der üblichen Zeitrechnung orientieren, aber das war es auch. Wirklich, ich bin genervt, dieser Stundenklau reizt mich mehr als 60 Minuten. Auch wenn ich dadurch in den kommenden Tagen meine Verspätungen entschuldigen kann.
Ich muss arbeiten, ich sitze schon wieder zu lange mit meinem Kopf am Lagerfeuer. Weg, los, mach hier mal Schluss, Armin. Ja, ich bin schon auf dem Weg. Immerhin habe ich ganz nebenbei noch ein Montagsbild umgesetzt, das ich schon immer einmal versuchen wollte. So, nun ist aber auch Schluss. Ruhe. Weg. Ja, ist ja schon gut.
Grüße. An M., klar, die drei Bananen und das Schlucken - und hör auf zu kichern. An AltA, die Sorgen sind jetzt wohl fort hoffe ich und dann an P. in Bonn - Danke! Außerdem an meine Mutter und ihre Mutter und schließlich an meine Zickenkatze: Benutze die Treppe, bitte! Und springe ich, um die Hüpfenden zu fotografieren - mal sehen, was das heute wird. Mein Lächeln ist wieder da und ich verschicke es auf Nachfrage gern auch einzeln.