Abgesang

Durchatmen. Augen schließen und langsam wieder öffnen. Die Welt ist noch da, ich auch. Gut. Langsam wird mir klar, dass es keinen Weg zurück geben wird, meine Entscheidung habe ich getroffen und der Weg ist klar. Eindeutig. Und richtig? Hm, wenn ich das wüsste, dann wäre mir sicher wohler. Hinterher bin ich dann wieder schlauer, das Spannende ist allerdings, es vorher nicht zu wissen, die Entscheidung zu treffen und die Konsequenzen zu tragen. Meine Zeitung werde ich zum 1. Januar schließen. Schluss, Ende, Aus. Schade. Ja, das ist es wirklich, ich verkneife mir die Tränen, das ist jetzt nicht angebracht. Finde ich. Nein, vielleicht kommt das noch, jetzt bin ich noch nicht so weit. Aber ich bin müde, erschöpft, ich bin traurig und auch ein wenig erleichtert. Eine bunte, aber doch farblose Mischung. Die Gleichgesinnte wird nicht müde zu sagen, dass das alles für etwas gut ist. Ja, sie hat Recht. Aber das ist momentan nur schwer zu erkennen, ich bin noch zu dicht am Gesamtbild, um das Ganze zu sehen, mir fehlt der Überblick. Ich weiß, dass sich in der kommenden Woche Türen öffnen werden, ich weiß es - so wie ich früher um die Dinge wusste, die geschehen werden. Aber ich mag noch nicht vertrauen, ich mag mich noch nicht freigeben für das, was da kommen wird. Ein seltsamer Zustand, die vergangene Nacht ist daran nicht unschuldig: So wach habe ich lange nicht mehr im Bett gelegen, so viele Gedanken in meinem Kopf, ein heilloses Durcheinander, daran konnten auch die Gespräche mit der Gleichgesinnten nichts ändern - aber es war gut, dass sie da war. Oder ich bei ihr. Wie auch immer.

Ich möchte immerzu die Tür aufreißen und in den Wald rufen "Ihr habt den Falschen vertauscht, ich bin der Richtige." Oder so ähnlich. Verzweiflung? Ein wenig.

"Mysterious Ways" von U2 in der Endlosschleife - auch wenn der Text nicht passt. Der Ton macht die Musik und ich mache mich auf den Weg ans Licht, an die Oberfläche. Warm ist mir. Und ich bin so müde, dass ich im Sitzen einschlafen kann. Könnte. Mache ich nicht, ich schleppe mich gleich ins Bett, lege mir den Tragbaren auf den Schoß, unterhalte mich mit Hui Buh und befreie meinen Geist. Von allem. Innen aufräumen, nein, ausmisten. Mit einer großen Forke bewaffnet allen Unrat aus dem Mund werfen, allen Unrat durch die Finger schicken. Raus. Ich schreibe mir den Unbill aus dem Kopf, aus dem Herzen. So soll es sein. So wird es sein. Und zwischendurch werde ich mal wieder etwas essen, die Gleichgesinnte meint, ich hätte abgenommen. Hm. Ein wenig. Vielleicht. Ein kleines Kilo. Oder ein halbes. Ich hätte gern ein halbes Pfund gemischtes Hack. Der Satz erinnert mich immer an die Einkäufe mit meiner Mutter - und ich wusste nie, was das bedeuten sollte. Vielleicht habe ich gerade ein halbes Pfund gemischten Armin verloren. Oder verkauft. Irgendwo.

Ich verschwinde jetzt mal im Bett, da wartet Hui Buh und Ruhe. Hoffentlich. Immerhin hat mich heute niemand ausgefragt, warum und warum und warum das mit der Zeitung so kommen musste. Ich wappne mich schon einmal für den morgigen Tag.

Grüße. Zuerst und besonders an die Gleichgesinnte - es ist alles richtig und gut. An das kleine A. auf der Insel: Ja, ich bin an dem Tag dort, wir gucken und genießen zusammen, es wird sicher lustig. An meine Katze und an den Wald, an meinen Schreibtisch und an die Zeitung. Die letzten Tage von... na, nun werden sie nicht sentimental, Herr Sengbusch. Nein, mache ich nicht.

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