Das Ende eines Mythos

Viel Arbeit und ich verspüre so etwas wie Tatendrang. So etwas. Irgendwie ähnlich, genau definieren kann ich es nicht, muss ich ja auch nicht. Aber ich bin wieder mit ein wenig Willen angefüllt, vielleicht hat der zufällige Urlaub seinen Teil dazu beigetragen. S. wird mich im November für drei Tage in sein Haus in Barcelona einladen - dass ich dabei auch noch ein Championsleague-Spiel sehe, lässt sich nicht vermeiden, aber ich bin ganz sicher nicht undankbar. Spannend ist es sicher. Und auch seltsam. Vielleicht bekomme ich sogar noch die Möglichkeit einer Akkreditierung, was dem Ausflug fast den Urlaubscharakter rauben würde. Hm, mal sehen, die Karten kommen über O., der intern mal nachfragen will, ob ich über Werder eine Anmeldung bekomme. Es wäre schön, aber nicht entscheidend. Und es sind drei Tage Urlaub zu einem Zeitpunkt, an dem die Saison ohnehin so gut wie gelaufen ist. Fein. Wirklich. Das sind die Zufälle, die mein Leben immer wieder den Spaßfaktor geben. Wenn es denn wirklich Zufälle sind und nicht die Fixpunkte eines langen Weges.

Wieder ein guter Abend mit der Gleichgesinnten, gleichwohl es ihr nicht besonders gut geht. Ich wünschte, ich könnte mehr für sie tun, als ein Lächeln auspacken und die Wärmflasche neu befüllen. Etwas mehr. Mal sehen, vielleicht bleibe ich den Rest der Nacht wach und passe einfach auf - sie wird wenig schlafen und ich werde dabei zusehen und -hören. Nebenbei sorgt Klaus Weiland für die passende Stimmung. Und vorher? Ach ja, und vorher. Vorher, am Abend haben wir "Die Brücken am Fluss" gesehen. Wunderbarer Film, das wird auch immer so bleiben. Aber der Mythos ist dahin, ich habe das Thema in meinem Kopf, in meinem Herzen seziert und bin mit dem Ausgang vollkommen zufrieden, so muss es sein, nur so kann es sein. Vier Tage reichen diesen beiden Menschen, mehr werden sie nie haben, mehr können sie nicht haben - und mehr wäre auch niemals gut gegangen. Natürlich ist da auch meine eigene Geschichte. Meine eigene Geschichte, die eigene Vergangenheit. Die eigene. Ja, und dann ist bei dem Film plötzlich alles klar, wird alles deutlich und gut und rund, während die Gleichgesinnte neben mir liegt. Dann plötzlich. Das Ende eines Mythos.

Ich mache jetzt den Tragbaren aus und denke noch ein wenig nach, die Gleichgesinnte braucht Ruhe und ich werde sie ihr schenken.

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