Im Nichts

Bauchschmerzen habe ich. Mein Körper wehrt sich und schaltet alles ein, was ich nicht will und knipst die Lichter aus, die ich dringend brauche. Die Saison geht los und ich will das alles nicht. Nein. Alles in mir wehrt sich dagegen und ich muss einen Modus finden, um damit klarzukommen. Irgendeinen. Hm. Es fühlt sich so an, wie damals bei diesen Darda-Autos, die ich durch Drücken und Hin- und Herschieben aufziehen konnte. Ein lautes Knacken war dann das Signal, dass das Maximum der Feder erreicht war. Knack. Allerdings hakt der Vergleich - hinken kann er nicht -, denn wenn ich dann das Auto losließ, flitzte es über den Boden. Ich flitze nicht, meine Feder ist überspannt, die Energien verloren. Ich bin müde und leer. So verloren habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt, irgendwo im Nichts, alles dunkel und kein Weg zu sehen. Es wäre sicher einfacher, wenn mich die Zeitung ernähren würde, wenn am Monatsende so viel Geld auf dem Konto läge, dass ich alle Zweifel und Probleme darin ertränken könnte. Aber so ist es nicht. Leider. Hm. Und jetzt beginnt es wieder zu regnen. Draußen klatschen die Tropfen gegen die Fenster, drinnen gegen die Innenseiten meines Kopfes. Das Ticken macht mich wahnsinnig. Ich weiß, ich weiß, ich habe mich ohnehin entschieden, nur noch bis zum kommenden Juli weiterzumachen. Ja. Aber. Mensch, woher soll ich die Kraft nehmen? Allein. Ich werde in der kommenden Woche mal mit V. und T. sprechen, die haben ja auch in der vergangenen Saison einige Lücken gestopft. Und was mit G. ist, kann ich momentan nicht sagen: Er hatte mir Hilfe zugesichert, ist nun aber wieder vollkommen verschwunden. Seltsame Menschen, oft noch seltsamer als ich, nur nicht so offensichtlich. Einfach weg. Und genauso, wie ich mich auf die beiden Auftritte im September freue, genauso fürchte ich mich auch davor. Nein, nicht vor den Abenden, vor der Bühne, sondern vor dem Danach, wenn ich wieder in das Leben muss, das mir nicht gehört. Hätte ich einen Job, würde ich kündigen - aber das geht nicht. Mist. Verfluchter. Es ist alles so unüberschaubar, es ist nicht einfach, ich habe mich vollkommen verheddert. Im Leben. Überall sind Dornenbüsche, die mir in die Haut ritzen, überall sind Wurzeln, die mich zum Stolpern bringen. Und dann kommen so Kommentare von Außenstehenden, dass ich ja mal Urlaub machen könne, um wieder Kraft zu tanken. Sehr witzig. Wirklich. Rasend komisch. Der Trost für den heutigen Tag: Die Gleichgesinnte kehrt von ihrem Aufenthalt auf Amrum zurück und ich werde heute Nacht wieder ruhig und tief schlafen können. Alles andere an diesem Tag bleibt grässlich, da hilft auch eine positive Einstellung nicht. Ich muss mir wirklich etwas ausdenken und Veränderungen herbeiführen - so geht es nicht weiter.

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