Verwirrt, versteckt, verworren

Alles ein wenig hektisch, das Wochenende war wirr und überladen. Viel zu viele Situation, Bilder, die noch in meinem Kopf sind, die ich beschreiben muss und will. Und immer kommt irgendetwas dazwischen, wenn ich mich in Ruhe hinsetze und versuche, meine Gedanken zu ordnen und aufzuschreiben. Herrjeh, jetzt werden da draußen auch noch Böller gezündet, die Uniformierten mit ihren Königen und Gewehren und Biergläsern und mit ihren Eichenlaub geschmückten Hüten machen mich hin und wieder Kopfschütteln. Wenige Minuten vor elf Uhr wird zurückgeschossen. Auf wen und warum auch immer. Vermutlich wird nur verkündet, dass sie wieder keinen König gefunden haben, weil niemand so viel Geld hat, um alle Rotnasigen zu einem Umtrunk einzuladen. Brot und Spiele braucht das Volk, aber die Uniformen? Hm. Wo war ich eigentlich? Ach ja, die vielen Bilder in meinem Kopf, das, was alles geschehen ist. Hu. Ich denke, ich muss noch einiges schreiben heute, damit mein Kopf ein wenig leichter wird.

Meine eigene Welt. Als T. am Ende der vergangenen Woche hier war, habe ich es mich wieder selbst spüren lassen. Ungewollt. Ich lebe auf einem anderen Planeten, ich treibe in einer Seifenblase umher, in die niemand eindringen kann, die aber vermutlich so schön schillert, dass sie jeder berühren will. Und dann platzt sie. Und dann platzt mein Kopf. Es ist seltsam, es ist anstrengend. Ich würde wirklich gern mal mit jemandem zusammen in dieser Blase sitzen, durch die Welt schweben und staunend die kleinen Wunder betrachten, aber das wird nicht funktionieren, dafür ist diese Blase nicht gemacht. Oh, ich denke dabei ja gar nicht in überdimensionalen Abschnitten, ein paar Stunden wären mir schon recht, aber selbst das ist eher utopisch. Am Ende sitze ich dann doch immer allein - weil ich es will, weil mir zu viel Nähe Beklemmungen verursacht, weil mir zu viele Menschen Angst machen. Nicht immer. Nicht immer. Manchmal macht mir schon ein Mensch Angst. "Wie lange ich denn noch so weiterleben will", fragte mich gestern Abend I. - wie lange. Wie lange? Bis ich sterbe, denke ich. Ich bin damit nicht glücklich, aber anders funktioniert es nicht. Meine innere Unruhe brauche ich zum Arbeiten, aber sie macht andere, die sich in meiner Nähe aufhalten, wahnsinnig, sie bringt ihnen das Gefühl von Einsamkeit. Hm. Klar, das könnte ich ändern, wenn ich mich änderte, aber dann wäre ich nicht mehr der, den ich im Spiegel sehe. So bin ich. Manchmal leider, manchmal angenehm. Und heute ganz sicher nachdenklich.

Und ich glaube, mit diesen Kanonen werden die Könige erschossen, nicht verkündet.

Gestern Morgen habe ich die Gleichgesinnte zum Flughafen gebracht. Nach New York. Sie. Allein. Ich kann mitfühlen. Die Aufregung. Ein seltsames Gefühl war es, sie dort zu verabschieden. Seltsam. Ja. Ich bin neugierig, was dort alles geschieht, wäre gern ganz spontan mitgeflogen. Um auch mal wieder raus zu kommen. Um neue Eindrücke zu sammeln. Freie Gedanken. Leere schaffen und füllen. Und fühlen. Ich bin gespannt, was sie zu erzählen hat, wenn sie am kommenden Montag zurück kommt. Gespannt. Ich werden den ganzen Tag nur zuhören. Nur zuhören. Ich bin gespannt. Vielleicht kann ich dann auch durch ihre Augen etwas Anderes sehen. Hm. Mal sehen.

Gestern vormittag habe ich geübt. Lesen. Ich habe die Geschichten und Gedichte zusammengestellt, die ich vortragen will und übe mich schon einmal darin, sie passabel vorzulesen. Verflixt, ich bin wirklich nervös und aufgeregt. Jetzt schon. Eine halbe Stunde vorher wäre ganz normal, aber Wochen vorher ist ein wenig überzogen. Oder auch nicht. Ich glaube, jede Lesung wird ein sehr emotionaler Abend. Für mich. Und vielleicht schaffe ich es auch, dass mich eventuelle Ablehnung auch nicht vollkommen aus der Bahn wirft. Eine Hymne. Eine Hymne, ja. Ich werde mir bis dahin noch ein Lied aussuchen, das mich hinterher wieder zurückholt, dass mich beruhigt und das mich lächeln macht. Umschalten. Vermutlich etwas von Gary Numan, auch wenn das jetzt im ersten Moment depressiv klingt. Hm. Aber ich denke, er ist der Vertraute meiner Ohren, meiner Gedanken. Ja, und ich weiß auch schon, welches Lied: "Friends" in der Pure-Version. Die gibt es nur als Konzert-Mitschnitt und ich weiß, dass er lächelt, wenn er spielt und singt. Das gefällt mir, das wird ansteckend sein. Eine gute Idee, Herr Sengbusch. Ja, nicht wahr? Aber aufgeregt bin ich noch immer.

Die Saison ist fast gelaufen, die Nachwehen stehen an. Alles was jetzt noch kommt, ist ein nahezu gelangweiltes Arbeiten, das Gros liegt hinter mir. Vielleicht kommt sie daher, die einsetzende Depression. Post-Klimax. Gestern fing mein Kopf schon an, sich langsam zu zersetzen, ich fürchte mich heute vor einem weiteren Zerfall, denn ich habe in dieser Woche keine Lust, mich mit dem Zusammensetzen meines Kopfes auseinanderzusetzen. Das setzt dann auch voraus, das ich meine Kraft dafür einsetze statt mich von Gedanken besetzen zu lassen, die Geschichten werden wollen - gesetzt den Fall, dass ich nach der langen Pause überhaupt noch schreiben kann. Setzen, Sengbusch. Ich lasse mich heute durch den Tag treiben, werde heute Abend mit der Kinoschlampe das Lichtspielhaus besuchen und anschließend, hm, ja, anschließend treffe ich dann noch R. und quassele mir den Kopf warm. Oder so. Und dann ist der Montag auch vorbei. Der echte Montag. Und morgen, ja, morgen verbringe ich den ganzen Tag im Bett. Versprochen? Hm, nein. Aber ich werde es versuchen.

Gestern Abend. Die Geburtstagsfeier von S. und ich kam so spät. Nicht zu spät, aber spät. In der Küche alle Männer, die Frauen auf den Gartenbänken im potentiellen Wohnzimmer. Ach, ich war unhöflich, ich habe nicht die Männer in der Küche begrüßt, nur ein flüchtiges Winken, mehr nicht. Was soll ich dort. Zahlenspiele und Fußball, ich kann dort nicht lange sein. Gekicher und Geschnatter im potentiellen Wohnzimmer, mein heiseres Kreischen dazwischen und Gespräche über Gefühle und Gedanken. Da will ich sein. Ich ahne, dass die Männer mein Verhalten befremdlich fanden und ich musste wieder an M. und die Theorie von den männlichen Energien denken, die ich angeblich nicht nutzen würde. Hm. Nicht nutzen. Männliche Energien. Nein, das will ich auch gar nicht. Mir sind diese Gespräche so fremd und dann können diese Energien, von denen M. immer wieder spricht, auch nicht gut für mich sein. Nicht gut. Wie auch immer, ich hatte meinen Spaß mit I. und U., mit S. ohnehin und das Haus ist wirklich mehr als wundervoll. Für die alten Holzdielen würde ich sterben, wenn ich danach weiterleben könnte und die kleinen, verwinkelten Ecken des Hauses machen schon beim Hinsehen Spaß, das Wohnen darin muss einfach großartig sein. Glaube ich. Ich weiß, dass es da noch manche Komplikation geben wird, aber ich weiß auch, dass das Resultat letztlich alles wieder aufwiegen wird.

Hm, ich habe sicher noch irgendetwas vergessen, das ich unbedingt schreiben wollte. Irgendetwas. Hm. Ach. Naja. Es fällt mir wohl wieder ein.
Grüße. An die Gleichgesinnte im großen Apfel - auf die Fotos bin ich schon sehr gespannt. An die Gedankenschwester, ich bekomme in dieser Woche die Kamera und dann sehen wir uns zwangsläufig. An R. - wo warst Du nur heute Morgen? -, an meine Kuschel-Katze und an S. und ihr Knie. Aua. Ich bin ein wenig kraftlos, lasse mir aber nichts anmerken. Wer mich in diesen Tagen sieht, darf ruhig sagen, dass ich schlecht aussehe. Danke.

Oh, und noch etwas: Ich habe einigen versprochen, dass sie ein Buch von mir zugesandt bekommen, habe aber meine Exemplare noch immer nicht erhalten. Geduld, Geduld, ich habe niemanden vergessen. Aber meinen Kopf. Glaube ich.

Zuletzt geschrieben

Newsletter

captcha