Alle meine Farben

Ja, ich glaube, so kann es funktionieren: Der umgestellte Arbeitsplan sorgt für Entspannung, ich finde wieder etwas Ruhe und ich glaube, da sind auch wieder ein paar frische Gedanken. Oh,  ich will mich nicht zu früh freuen, aber ich fühle mich wohl. Fein. So habe ich mir heute auch eine Liste mit "Gute-Laune-Musik" zusammengestellt, die mich durch den Tag getragen hat. Immerhin habe ich fünf Lieder gefunden, die so extrem positiv sind, dass sie mich zum Lächeln bringen. Unübertroffen bleibt "Blue for you", da muss Colin Hayes beim Singen schon so gute Laune gehabt haben, dass ich mich chronisch angesteckt fühle. Das ist doch mal ein Virus, der auch wirklich Sinn macht. Mensch, davon hätte ich gern mehr. Ah, und dann fallen mir sofort die geklonten neuen Sexgesichter ein, deren Stimmen so sehr nach Plastik klingen, dass ich glaube, ich kann sie als Partybesteck benutzen. Nicht einmal die Namen dieser Gruppen kann ich mir merken, was vermutlich daran liegt, dass ich kein Radio höre. In meine Abspielgeräte kommen diese Saubermänner nicht. Furchtbar. Ich bleibe bei den echten Musikern, die noch Instrumente spielen oder singen, weil sie Gefühle ausdrücken und nicht, weil sie Geld verdienen wollen. Mensch, was ist das nur für ein Unsinn.

So. Und dann kritzle ich heute mal wieder vor mich hin, weil mir diverse Gedanken durch den Kopf gehen. Viel Unsinn, wie immer. Und einige Bilder, die ich schon an die Innenseite meines Kopfes gepinnt habe, weil ich sie mir irgendwann in Ruhe ansehen will. Schließlich schreibe ich dann einfach diese Zeilen herunter. Na, immerhin. Ich will nicht zu viel jubeln, nein-nein, ich freue mich einfach, dass ich wieder Kraft finde, dass ich doch noch schreiben kann. In den vergangenen Tagen habe ich wieder sehr daran gezweifelt. Wie immer. Hm. Ich weiß, dass diese Zweifel auch Sinn machen, aber manchmal kann ich auch gut darauf verzichten. Diese fehlende Sicherheit macht mich oft genug unruhig, nervös, hektisch, zappelig. Gefällt mir nicht. Nein. Nein, das gefällt mir nicht.

Ja, und ich habe es wieder geschafft: Heute Morgen bin ich früh aufgestanden, habe mich wieder auf die Reise begeben. Durch den Wald, durch die Wiesen und Felder. Leichter Nebel, klare Luft, alles ein wenig feucht - aber wunderbar. Meine Muskeln schmerzen, ich habe mir viel zugemutet, unter anderem auch ein sehr hohes Tempo, aber es es war gut. Es ist gut. Und ich werde es morgen wieder tun. Ich weiß noch nicht, wann ich mir eine Pause gönne. Vielleicht am Sonntag, vielleicht. Dabei bin ich zurzeit so voller Energie, dass ich mich heute Abend zügeln musste, um nicht noch einmal loszulaufen. Ja, das ist der richtige Weg: Bewege ich mich, bewegt sich etwas. Jetzt kann ich meine Schlaflosigkeit auch gut ertragen, weil sie gar nicht existiert. Heute Nachmittag schlief ich ein, während draußen der Regen sein Konzert gab - großartig. Oh, und ganz ehrlich: Ich freue mich schon auf den morgigen Tag, denn zumindest für einen gewissen Abschnitt habe ich einen Schlüssel gefunden, um mich wohl zu fühlen. Fein.

Ja, gearbeitet habe ich heute auch noch und alles ging mir leicht und schnell von der Hand. Eine lohische Folge des Tages, alles ist gut. Heute. Und morgen werde ich auch gewinnen. Ich weiß es schon jetzt, trotz des bevorstehenden Berges. Ich steige da schon hoch und werde auf dem Gipfel den Mond verheulen. So.

Grüße. An E., bitte nicht danken, sonst danke ich zurück. An A., bitte nicht einfach verschwinden, sonst verschwinde ich einfach. An meine Katze und an meine Laufschuhe und an den Wald, die Wege und das nasse Graß. An JJ - unverhofft kommt manchmal und dann noch an meine Mutter. Genau. Wer morgen mitlaufen möchte, steht bitte früh auf und bringt ausreichen Kondition mit.

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