Rote Gebete

Der Tag vor dem danach. Es fiel mir gestern Abend einfach so ein. Woher es denn komme, wie dieser Gedanken denn in meinen Kopf käme, wollte C. wissen. Ich kann es nicht sagen, ich weiß nicht, warum mir so seltsam Sätze einfallen und warum ich Geschichten in meinem Kopf habe, Bilder sehe, die ich zu Papier bringe. Oder bringen will. Zurzeit lässt die Umsetzung mehr zu wünschen übrig als mein Kontostand - aber meine innere Stimme ermahnt mich, nicht so viel zu jammern. Und ich bin ja auch schon still. Fast. Der Tag vor dem danach. Ich weiß noch nicht, was ich daraus mache. Vielleicht nichts, vielleicht lasse ich ihn wie so viele andere Sätze einfach stehen. Wie ein kleiner Stein, über den ich irgendwann stolpern werde. Hoffentlich falle ich dann nicht hin und treffe mit dem Kopf auf einen anderen Stein. Auf der anderen Seite käme mir ein kurioses Ableben sehr recht, denn es trüge unweigerlich zur Dramatik bei. Von den eigenen Sätzen erschlagen, aufgespießt und an ihnen erstickt - was für ein Ende für einen. Na. Für irgendeinen meiner Sorte. So. Oh. Der Humor ist ja doch noch da. Und ich hatte mich schon gefragt, wo ich ihn vergessen hatte.

Was mich momentan wirklich anstrengt, ist mein Essverhalten. Ich bin schon lange nicht mehr damit einverstanden, was ich esse oder auch was ich vertrage, aber in diesen Tagen mutiere ich zu einem Gar-Nichts-Esser. Das passt zum Geldbeutel, macht mir aber auch Sorgen. Kein Öl, kein Fleisch, kein gar nichts. Himmel. Werde ich denn immer komplizierter? Kann es nicht einmal einfach sein? Kein Fast-Food mehr, kein Käse - mir wird bei dem Gedanken schon speiübel. Ich habe noch ein Glas rote Bete, die ich immer "rote Gebete" nenne - es klingt einfach schöner -, aber essen kann ich sie dennoch nicht. Schade. Es ist zum Haare raufen - gut, das kann ich gar nicht. Mit den Süßigkeiten ist es auch schwierig geworden, ich glaube, der Mond ist schuld. Oder. Es liegt an der Zeitumstellung - aber das ist ja heute Nacht wieder vorbei. Endlich. Diese Stunde fehlt mir, ganz ehrlich. Ich habe sie an jedem Tag vermisst und bin so froh, dass ich sie zurückbekomme.

Gerade. Vor wenigen Sekunden telefonierte ich mit M., die sich ob der Diagnose von T. sorgte. Ganz ehrlich: Ich finde es großartig, wenn diese Dinge nicht verloren gehen und ich hatte sogar für ein paar Minuten das Gefühl, dass mein Tagebuch für etwas nützlich ist. Die kleinen Dinge, die so wichtig werden. Vielleicht. Vielleicht telefonieren die beiden miteinander und legen die Funkstille bei, die schon einige Zeit herrscht. Ja, das wäre fein. Sind beides großartige Menschen und ich bin froh, sie zu kennen. So. Manchmal ist das Leben so einfach, vielleicht sollte alle ein Tagebuch im Internet führen, damit mehr Menschen erfahren, was in der Welt geschieht. Ob ich mir das alles ausdenke, fragte M. Und ob ich es nicht beunruhigend fände, dass jeder wisse, was ich denke. Nein. Zweimal. Ich denke ja jeden Tag etwas anders und ich habe auch nichts zu verbergen. Es gibt so viel Neues und noch so vieles, was selbst mir noch vollkommen unbekannt ist, so dass ich noch viel schreiben kann. Viel. Sehr viel. Und wer es lesen will, der soll es lesen. Wer daran Spaß hat, soll daran Spaß haben. Wer daran zweifelt, dem kann ich nicht helfen. Aber mein Lächeln gilt allen.

Ich bin zu spät, zu spät, zu spät. Ich mache mich nun auf den Weg, ein Film und C. warten auf mich. Zeit für Grüße. Genau. An M. und an T., keine Frage. Ich muss jetzt gerade wieder daran denken, wie alles begann. Julia Roberts und Meg Ryan - ich bitte euch und den Vergleich um Verzeihung. An V., der mich heute lächeln und lachen machte, weil ich eine wundervolle Postkarte von ihm erhielt: Meine Katze heißt Hui Buh - ich denke, ich darf ihren Namen hier mal erwähnen. An das beste Ypsilon von allen, das immer noch versucht, unter Wasser zu atmen - ich werde Dich mit meinen Gedanken immer wiederbeleben. Ich schicke ein Lächeln zum Mond, dort oben kann es jeder sehen und zurücklächeln - das sehe ich dann.

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