Übler Diebstahl

Den ganzen Tag schon. Ohne Unterlass. In der Endlosschleife. Mein Held Gary macht mir alles schön: Während die Gleichgesinnte ins Licht tritt, um Kraft zu tanken, ziehe ich mich in die Dunkelheit zurück. So einfach ist das. Und so einfach läuft dann "Pray" in der Endlosschleife von iTunes vor sich hin, immer und immer wieder. Und so kann ich dann auch alles schaffen, so bin ich wirklich glücklich. Wirklich. Ja. Noch ein paar Stunden Arbeit, dann liegt das Jahr hinter mir und in der kommenden Woche, werde ich mich für zwei Tage zurückziehen - wenn auch nicht nach Barcelona, dafür aber in mich und in mein Bett. Zwei Tage komplett Pause, die brauche ich einfach und die nehme ich mir. So wie ich mich jetzt auch dafür entschieden haben, üblen Diebstahl zu betreiben und den Text von "Pray" an den Tagebucheintrag anzuhängen. Wundervoll. So finde ich ihn schnell und immer wieder. Großartig. Einfach und wundervoll.

So. Ich soll mich nicht mehr verbiegen. Sagt AltA. Nein, das mache ich ja auch nicht mehr, der Rückfall in alte Lügengeschichten war ein Ausrutscher. Wirklich, eine dumme Sache. So wie damals, als ich zu schnell war und die Polizei mich dabei fotografiert hat. Dumme Sache, das passiert mir, der immer langsam fährt und andere zur Weißglut bringt, weil er sich an die Vorschriften hält. Und ich breche mir bei einer so dämlichen Lüge fast die Beine, dass ich mit dem Kopf aufschlage und er beinahe zerspringt. Selbst Schuld, Herr Sengbusch, der eingeschlagene Weg der Ehrlichkeit ist nur auf den ersten Blick unbequem, auf den zweiten ist er frei von lästigen Fußfallen und tückischen - da fällt mir Stefanie Tücking ein, war das nicht eine Moderatorin? - australischen Wurgeschossen, die spät und heftig zurückkommen. Dumme Sache, aber ich habe es ja nun noch bereinigt. Halbwegs. Ganz geht es nicht mehr, aber die Lehre, die ich daraus ziehe, ist eindeutig: Immer wenn es unbequem wird, machen Lügen den Weg nicht einfacher. So, der weise Spruch zum Donnerstag, ich sollte mal eine Kolumne einführen mit Weisheiten, die jeder kennt. Nur ich nicht. Aber ich bin hin und wieder lernfähig. Hin und wieder.

Schade, heute war ich wieder nicht draußen - zumindest nicht lange genug, um die Luft zu genießen. Gestern habe ich die ersten Schneeflocken gesehen, gestern war der Tag allein deswegen brillant. Wenn es nur mehr schneien würde, wenn der Schnee nur liegen bliebe. Und dann auf den Balkon sitzen. Oder am Küchenfenster. Und dann vom Weiß geblendet die Augen schließen, bunte Flecken sehen und die Helligkeit durch die Lider sehen. Schwarze Astlinien unter den weißen Schneehauben, Frostkristalle und kleine Spuren im Schnee, weil Hui Buh den Garten erkundet, um dann quengelnd wieder nach drinnen zu kommen. Ein Berg voller Kerzenlicht, eine warme Heizung an meinem Rücken - und Schnee. Hm. Aber das mit dem Schnee wird vermutlich in diesem Winter wieder nichts, ich muss wohl irgendwann mal verreisen, wenn ich im Schnee baden will. Die Zeiten sind schlecht, die deutsche Regierung hat nicht einmal mehr genug Geld für einen anständigen Winter. Schade.

So, nun noch rasch den Liedtext eingefügt und dann mache ich mich mal auf den Weg zur Gleichgesinnten. Das Lied nehme ich mit, Frau Feenblau wird sich freuen.

Pray

Listen to my voice.
We are gathered here today
To speak of things we have to do,
And the friends we have to call,
From the middleground,
From the Darkness.

It's been many years,
Many years,
Since we have faced a danger such as this.
There is nowhere left to hide.
No safety in old glories.
No sanctuary.

I've seen the same nightmare in all our dreams,
But now it's come to Earth in search of us,
And through treachery, we are found.
So we must pray to the maker of all things,
And wait for the storm to come.

Maker
We are disciples to your desire.

Maker
We are the voices that sing your praises.

Maker
We are the rage that feeds your devotion.

Maker
Rise from the ground and be our salvation.

Gary Numan - Sacrifice

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