Nirgendwo

Fest und tief habe ich geschlafen, ich kann mich auch nicht mehr daran erinnern, dass mich das beste Ypsilon von allen mitten in der Nacht anrief, dass ich ich mit ihr ein paar Sätze tauschte. Nein. Nichts. Mein Kopf ist leer. In jeder Hinsicht. Eine Pause. Fest und tief geschlafen habe ich, der Morgen kam spät, ich habe das Aufstehen hinausgezögert. Gut, ich kann mich entschuldigen, ich kann mir selbst erklären, dass ich in den Nächten zu vor wenig Schlaf fand, dass die Tage anstrengend und lang waren. Aber eine Nacht wie die vergangene hatte ich schon lange nicht mehr. Zu allem Überfluss hat sich C. gestern Abend so schwer mit kochendem Wasser verbrannt, dass mein Kopf permanent darum kreist. Das muss er nicht, aber er tut es. Freiwillig. Und mich strengen die Bilder, die mein Kopf produziert, zusätzlich an. Heute Abend werde ich versuchen, Beistand zu leisten: Ich weiß, dass es mir gut tut und hoffe auf Gegenseitigkeit. Hoffe ich. Ja. Kopfschmerzen. Habe ich. Aber die werden wieder vergehen, spätestens heute Abend, wenn ich zur Ruhe komme. Zweifelsohne.

Was ich denn mache, werde ich in diesen Tage oft gefragt, wo ich denn die ganze Zeit bin. Gute Frage und ich habe es immer geliebt wahrheitsgetreu zu antworten: "In Gedanken." Aber das stimmt nicht, ich denke in diesen Tagen nicht viel, ich schalte ab. Alles. Meine Rechner, meinen Kopf, meinen Körper, alles. Zu behaupten, dass ich mich im Nirgendwo befinde, ist im Grunde genommen auch nicht richtig, denn ich finde mich immer häufiger in meinem Bett wieder, lasse nur den Kopf unter der Decke heraus ragen und starre auf den Wald. Mehr nicht. Ich sehe den Blättern zu, die sich aneinander reiben, ich finde keine Gedanken, ich beobachte. "Muss auch mal sein", höre ich meine Großmutter sagen. Vielleicht. Vielleicht muss gar nichts sein, vielleicht braucht mein Körper etwas und ich weiß nicht, was ich ihm geben soll. Ruhe. Das höre ich meine Innere Stimme flüstern. Ruhe. Ja, das ist recht lustig, daran habe ich auch schon gedacht, finde das kostbare Gut nicht. Dumme Sache. Und so sagte mir B. heute ab, erklärte, dass sie für mich nicht mehr arbeiten könne. Sie hat eine Stelle als Redakteurin gefunden, besser bezahlt als bei mir - ich hätte sicher ähnlich gehandelt und ich weiß auch, dass sie ihren Schritt lächelnd und weinend betrachtet. So wie ich, wenn ich mich für sie freue und mir gleich darauf die Augenbrauen raufe, weil noch mehr Arbeit auf mich wartet. Ersatz zu finden ist so schwierig. Denke ich. Meine Ansprüche sind vermutlich einfach ein wenig hoch. Vermutlich. Ganz sicher bin ich mir da nicht.

"Erschießen wir uns?"
"Nein, ich habe keine Munition mehr."
"Dann schlag mich mit der Waffe tot."
"Nein, ich habe keine Kraft mehr."
"Dann stürzen wir uns von der Klippe."
"Dafür müssten wir aus dem Tal steigen."

Es fiel mir gerade ein. Warum auch immer. Ich muss eine Geschichte finden, ich muss eine Geschichte finden, ich muss eine Geschichte finden. Ich habe eine Geschichte, aber ich finde keine Zeit, keine Ruhe, keine Luft zum Atmen. An. Streng. End.

Irgendetwas wollte ich noch schreiben, etwas, das mir wichtig war, als ich diesen Eintrag begann. Weg. Ich suche jetzt nicht weiter danach.

Noch Arbeit. Aber Grüße. An das beste Ypsilon von allen, dem ich Kraft und Stärke wünsche. Schicke. Ich bin in jedem Fall da, auch wenn ich hin und wieder anderes behaupte. An meine Mutter, die sich langsam zu einer Mutter entwickelt. Oh. An S. für den grandiosen Abend am Dienstag und an die Frau aus dem Nachbarort: Du siehst, es ist wieder da. An C., ohne Kompromisse und ohne Hintertüren.

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