Flüssige Gedanken

Ja. Und das kann ich auch lauter sagen: Ja! Ich bin zwar noch ein wenig matt von meinem Wochenende, aber ich bin positiv gestimmt. Fein. Zurückgeblickt: Gestern habe ich Bericht aus dem Kopf erbrochen, dass ich mich im Nachhinein selbst erschreckte, was ich schaffen kann. So viele Texte in so kurzer Zeit zu verfassen, empfand selbst M. als übermenschlich. Ah, da ist er wieder, mein Größenwahn, der sich mittlerweile sogar in anderen Köpfen widerspiegelt. Übermenschlich, naja. Es war eine Menge, was ich gestern leistete und ich bin stolz darauf. Heute regnet es Früchte eben jener Leistung und das tut freilich gut. Noch fehlt die Kontinuität, von der ich zwar weiß, dass ich sie leiste, aber die Leser noch nicht. Zumindest nicht die, die sich nun anmelden, die darüber nachdenken, ob sie bezahlen sollen. Aber das ist mir auch ganz lieb, so werden mehr monatliche und nicht die langfristigen Abonnements verkauft. Geld. Grausam. Ob ich davon leben kann, fragte mich heute jemand. Ich weiß nie, was ich darauf antworten soll. Darüber kann ich noch stundenlang nachdenken und komme zu keiner Lösung. Es geht nicht immer ums Geld, für mich sind die Abonnements keine Zahlen auf meinem Konto, sondern ein Maß des Beifalls. Je mehr Menschen meine Zeitung lesen, desto mehr fühle ich mich in meiner Arbeit bestätigt und habe Kraft, weiter zu machen. So auch gestern Abend, als ich die letzten Texte gegen kurz vor eins veröffentlichte und zwischendurch gar nicht glauben konnte, dass ich noch immer Energie verspürte. Das lag sicher auch daran, dass ich heute nichts weiter tun muss, dass mir klar war, dass heute keine Zeitung Texte, Fotos oder Seiten von mir braucht. Nichts. Nur noch das, was ich für richtig und wichtig halte. Und das ist wirklich großartig, das Gefühl ist - Hallo, Herr Wahnsinn - einfach überirdisch.

Den ganzen Tag ist es wieder da, mein fließenden Lied "Feel me flow". Hip Hop, nicht jedermanns Sache, keine Frage. In diesem Fall ist es gute Laune in Reinkultur und das kann ich heute gebrauchen. Am Wochenende gab es genug Tiefpunkte, um für immer in der Versenkung zu verschwinden. Aber es gab auch genug Gründe für mich, den Blick gen Himmel zu richten und nach Lichtpunkten zu suchen. Der Samstag war zweifelsohne eine mittlere Katastrophe, der Sonntag begann desaströs, aber ich habe mich daran erinnert, dass ich selbst für meine Stimmung verantwortlich bin. Das vergesse ich gern und oft, aber nicht jede depressive Verstimmung ist so einfach von der Bettkante zu schubsen wie der Unrat auf der linken Seite meiner Matratze. Ich muss hier wirklich mal wieder aufräumen, es sieht ja furchtbar aus, wenn ich mich umsehe. Ich glaube, selbst in meinem Kopf ist es ordentlicher als in meinen vier Wänden. Zumindest was den ersten Stock anbelangt, das Erdgeschoss ist durchaus begehbar. Nach dem Fenstersturz musste dort auch etwas geschehen, keine Frage.

Das Wetter hat mich wieder, endlich. Oder andersherum: Ich habe das Wetter wieder, der Regen klingelt in meinen Ohren und die Temperaturen sind so angenehm, dass ich die Kopfschmerzen der vergangenen Tage vollkommen vergesse. Heute vormittag gönnte ich mir den Luxus, auf den Rasen vor dem Haus zu liegen, die Augen zu schließen und zu genießen. Ich glaube, ich habe auch ein paar Sekunden geschlafen, während die Welt in meinem Kopf stattfand. Überall kribbelte es, die Tannennadeln in und unter meinem Rücken, kleine Tiere auf meiner Haut und ein Schwarm Vögel, der mit lautem Rauschen über mich hinweg zog. In diesen Momenten frage ich mich, warum ich mir Sorgen mache, warum ich immer wieder so kompliziert denke, denn im Grunde genommen ist alles einfach. Und in den Momenten, in denen ich das weiß, fühle ich mich sicher vor der Welt. Vergesse ich es, dann geht es mir so wie am Samstag oder am Sonntag. Vielleicht sollte ich mir irgendeinen Satz, der mich daran erinnert, auf den Handrücken tätowieren lassen. Nein. Aber die Hautmalerei, die ich mir für den Hinterkopf vorgestellt habe, wird noch in diesem Jahr ihren Weg zu mir finden. Das habe ich entschieden, vermutlich erst im Dezember, aber dieser Monat - so verhasst er auch ist - gehört zu diesem Jahr.

Ich muss mich ein wenig sputen, wenn ich rechtzeitig sein will. Heute Abend steht das Treffen mit M. an und ich bin wirklich neugierig. Gespannt. Ein wenig aufgeregt. Erinnerungen sind eine feine Sache, finde ich. Manchmal schmecken sie auch aufgewärmt, wenngleich einige in dieser Hinsicht wie Pilzgerichte sind. Nun, ich werde sehen, was dieser Abend bringt. In jedem Fall ein Lächeln.

Eilig. Mensch, die Zeit, Armin. Ja, nun aber hurtig. Grüße. Kanada, Kanada, Kanada, was für eine Orgie des Lächelns, trotz der Entfernung. Oh, an das beste Ypsilon von allen, dessen Gedanken ich so gut nachvollziehen kann und an M. in London - unverhofft kommt es manchmal. München schicke ich ein Lächeln, weil ich schon über den Besuch meiner Nichten nachdenke und Frau W. muss mich unbedingt wieder in den Schlaf singen. Fließende Gedanken, ich schicke allen Licht für das Herz.

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