Guten Morgen

Ja-ja, ich schimpfe mit mir. Ein wenig. Es ist mal wieder spät geworden - aus verschiedenen Gründen. Natürlich kann ich nicht einschlafen, warum sollte es auch plötzlich funktionieren. Aber die Frage lautet freilich auch: Warum schlafe ich nicht? Nun, zum einen geht es meinem Körper gut, ich habe mich gestern Abend intensiv bewegt und das trägt zu meinem Wohlbefinden bei. Vor fast 15 Jahren erklärte mir mal eine weise Frau, ich müsse mich viel bewegen. Noch mehr und noch mehr. Damals war ich mir nicht sicher, heute weiß ich, dass sie Recht hat. Oder hatte. Was auch immer. Oh, und der zweite Grund für meine Schlaflosigkeit ist der gigantische Berg, der vor mir liegt. So viel Arbeit, so wenig Zeit. Grausam. Ich werde in den kommenden Tagen zu wenig kreativen Dingen kommen, fürchte ich. Ich werde mir darüber nicht den Kopf zerbrechen, mich darüber nicht aufregen, denn wenn ich es tue, dann bin ich umgehend enttäuscht. Also ein rascher Wechsel der Gedankenbahn: Der dritte Grund für die Schlaflosigkeit ist mein Kinoabend mit T.: Die Überraschungsvorstellung haben wir ausfallen lassen, weil das Kino hoffnungslos überlaufen war. Ferien. Alle Kinder dürfen lange aufbleiben. Sehr lange. So habe ich mir mit T. "Godsend" angesehen und ich erfreute mich an Herrn de Niro. Wunderbar. Und ein wirklich anstrengender Film, den ich vorwiegend mit geschlossenen Augen und den Fingern in den Ohren unter dem Kinosessel erlebt oder nicht erlebt habe. Ich begreife immer noch nicht, wie andere Menschen diese Schockeffekte ertragen können, ohne auch nur mit einem Muskel zu zucken. Sympathisch, dass T. immer wieder quiekt in den spannenden Momenten, da weiß ich im Kino, dass ich mit meiner Angst nicht vollkommen allein bin.

So, prima Armin: Es wird draußen schon wieder hell. Der Winter ist mir deutlich lieber, die Nächte sind länger und die Tage zauberhaft kurz. Es ist noch ein weiter Weg bis zum Winter, auch wenn es bereits jetzt so kalt draußen ist, dass der Wald und auch ich frieren. Spaß macht dieses Wetter nicht, ein wenig Sonne wäre mir ganz lieb. Ein wenig. Zwei, drei Tage reichen aus, ich würde in diesem Sommer einfach gern noch einmal draußen, unter freiem Himmel schlafen. Und ich weiß, dass meine Katze das auch immer großartig finde. Wenn ich nun noch an den Sternenhimmel denke, dann, ja, dann ist wirklich alles wunderbar. Wenn die Sonne scheint und es nachts auch einmal trocken bleibt.

Ich glaube, der Sekundenzeiger bewegt sich schneller. Schneller als gewöhnlich. Ich will mich nicht beklagen, aber es sieht nicht normal aus. Es ist auch nicht normal, so wenig zu schlafen. Die knapp zwei Stunden am vergangenen Nachmittag zählen nicht, zumal ich unsanft aufschreckte, weil ich nicht wie vereinbart geweckt wurde. Das Leben ist hart, aber gerecht. Vermutlich brauchte ich den Schlaf und alles war richtig. So.

Harry. Für viele soll er den Wagen holen, einige warten auf sein Brot, für mich wartet Harry immer auf Sally. Und heute kam der Film, endlich. Ich kann ihn mir ansehen und weinen, wann immer ich will. So oft habe ich mir gewünscht, dass auch mir so etwas widerfahren würde, dass auch ich wie Harry sie finde und nach langen Irrungen und Wirrungen auch mit ihr zusammen komme und zusammen bleibe. Hm. Diese Gedanken sind jetzt nicht gut. Außerdem brachte mir der Postbote den Sizilianer - C. wird sich freuen - und den dritten Teil der Terminator-Filme. Eine illustre Mischung, ja-ja, aber Grund genug, mich auf den Freitagabend zu freuen und eine beschauliche Filmnacht mit mir zu verbringen.

Ins Bett, ins Bett. Ich habe mein Prachtstück ins Büro gestellt, damit ich im Bett nicht mehr arbeite. Das ist sinnvoll, denke ich. Und wenn ich den Tragbaren gleich zuklappe und ins Bett schleiche, dann wird er mir dort fehlen. Keine Musik, keine Filme, keine Gedanken, die ich mal eben in die Tastatur drücke, Schlafen. Ja, ich bin ja schon auf dem Weg. Dennoch noch rasch ein paar Grüße: An das beste Ypsilon von allen, weil es heute wieder meinen Tag bereichert und mir so viel Arbeit abgenommen hat - ohne das Ypsilon wäre ich verloren. Und ich grüße die Gegensprechanlage bei BurgerKing. Ich kann das ruhig schreiben, weil kein Mensch versteht, was ich das gestanzte Blech spreche, ja sogar rufe. Außerdem grüße ich die Sonne und eine kleine Heerschar von Fußballern, die sich hoffentlich nicht hierher verirren werden, die mir aber erstaunliche Rückmeldungen wegen der von mir geleiteten Übungseinheiten geben. Ich bin. Ja, ich bin da wirklich sprachlos. Guten Morgen.

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