Versteckspiele

Ich habe noch nicht geschlafen. Doch, ein wenig schon. Drei Stunden. Ungefähr. Und nun bin ich müde, würde am liebsten den Rest des Abends im Bett bleiben, schlafen, endlich schlafen. Aber ich kann nicht, ich habe mich verpflichtet, das Training zu leiten, darauf verlassen sich über 20 Männer. Und ich bin artig, heute Abend. Ich werde es sein. Anschließend bringe ich mich nach Hause, ins Bett, schlafe so lange, bis ich aufwache. Ich werde die Wecker, die Telefone ausschalten. Ich werde alles ausschalten und schlafen. Heute Abend. Ein wenig unwohl ist mir allerdings bei dem Gedanken, gleich meinen Körper zu bewegen: Ich fühle mich so kraftlos, dass ich fürchte, einfach zusammenzusinken. Während des Laufens, während des Trainings. Oh, ich soll hier nichts über Fußball schreiben, hat mir ein Freund geraten, das würde mein Image zerstören. Ach, ganz ehrlich: Mein Image gibt es gar nicht.

Ein Absatz und ich bin immer noch müde. Ich dachte, ich schreibe mich jetzt wach. Draußen hat es zu regnen begonnen, nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für den Sport an der frischen Luft. Keine Ausflüchte, ich brauche die Bewegung. Und seitdem ich wieder trainiere, sind auch die kleinen Lästerlichkeiten meines Körper verschwunden. Nicht vollkommen, aber ich fühle mich längst nicht mehr krank und bettlägerig. Immerhin.

Was mich wirklich ärgert, sind die Steine, die mir der Springer-Verlag ins Genick wirft. Und das noch nicht einmal direkt, sondern über plumpe Handlanger. Ein Gespräch soll es bald geben. So. Wie es weitergehen soll. Aha. Was das genau wird, weiß ich nicht, aber ich wüsste schon gern, ob meine fotografischen Dienste noch gebraucht werden. Kuriose Dinge, die in diesen Tagen ablaufen. Steine im Genick und Knüppel zwischen den Beinen. Nein, das mag ich nicht und ich werde nicht mit gleicher Münze zurückzahlen. Nein, das ist nicht mein Stil. Obschon es mir in den Fingern juckt. Nein. Am Ende geschieht ohnehin das, was ich will: Ich verlasse mich nicht darauf, aber ich arbeite mit stoischer Zähigkeit darauf hin. "Qualität setzt sich irgendwann durch", sagte O. kürzlich zu mir - und er hat Recht, hoffe ich. Irgendwann führt kein Weg an mir vorbei, so war es schon in vielen Situationen. Und das obwohl ich mich atypisch für mein Sternzeichen nicht in den Vordergrund dränge, mich eher verstecke und darauf warte, dass genau das geschieht, was ich mir vorstelle. Im Grunde genommen ist es mit der Veröffentlichung meiner Texte auch nicht anders: Irgendwann wird eben genau das passieren, was ich mir vorstelle - und dann ist es auch richtig, die Texte zu veröffentlichen. Wobei A. natürlich Recht hat, wenn sie sagt, dass ich bereits veröffentlicht habe. Schließlich sind bereits Kurzgeschichten gedruckt worden. In einer Zeitung. Und viele sind in einer Internetzeitung erschienen. Also habe ich veröffentlicht, aber es ist eben noch nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Gut. Die Zeit wird kommen. Ich weiß es.

Grüße gibt es. An D., der ich über die unzähligen Kilometer hinweg meine Hand anbiete, damit sie den lästerlichen Aufenthalt in den kommenden Tagen übersteht - ob ich hilfreich bin, weiß ich freilich nicht. An das beste Ypsilon von allen, das fast wieder gesund ist und an meine Katze, die in der vergangenen Nacht versuchte, mich dreimal mit der derselben Maus zu beschenken. Meine Augen werden schlechter, aber ich kann noch sehen.

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