Dumm gelaufen

Ich bin wie immer selbst Schuld - und das gefällt mir, denn dann weiß ich, wen ich anklage, wen ich beschimpfe und bei wem ich mich beschweren muss. Das Leben läuft an mir vorbei, ich fühle mich mehr als elend. Vielleicht bin ich wirklich krank, vielleicht bin ich übernächtigt, überarbeitet, entkräftet. Verloren in Zeit und Raum, so fühle ich mich. Ein wenig Kopfschmerz gepaart mit der liederlichen Einsamkeit, die sich immer wieder in meine Gedanken, in meinen Kopf, in mein Herz mischt. Und ich bin bei all dem dumm genug, mir die falschen Filme anzusehen. Falsch, richtig. Ein richtiger Film ist ein hirnloser Streifen, in dem es darum, dass es um nichts geht und am Ende der Gute gewinnt. Ein falscher Film läuft dann in meinem Heimkino, wenn ich mit Gefühlen wie bei einer Negerkuss-Schlacht beworfen werde, wenn alles an mir kleben bleibt und ich am Ende von Tränen überströmt da sitze, mich frage, was ich da eigentlich tue. Unsinn. Und ich bin selbst Schuld. Gut, wenn ich das wenigstens weiß. Oh, und ich weiß auch, was ich will. Dummerweise weiß ich deshalb aber auch, dass ich das nicht bekommen werde. Das ist was ich will, das ist was ich bekomme. Es wird immer zu wenig sein - oder zu viel. "Haben Sie es passend", fragt mich die freundliche Frau an der Kasse und ich denke, dass ich es nie passend habe, dass bei mir immer etwas nicht richtig ist, dass immer etwas unstimmig sind muss, damit es mir gefällt. Und wenn es mir dann gefällt, dann sehe ich das Bild, stelle fest, dass es nicht stimmig ist und bin wieder unzufrieden. Das ist ziemlich unsinnig, ich muss es zugeben, ich bin in dieser Hinsicht wohl chronisch erkrankt, bin Perfektionist darin, immer das Haar in der Suppe zu finden. Fraglos. Oh, es gibt wahrlich genug wundervolle Dinge, es gibt auch genug Momente am Tag, die mich lächeln lassen. Kein Trauerkos. Aber einen Klos im Hals habe ich noch immer, wenn ich an den Satz aus "Findet Nemo" denke, den ich mir dummerweise gerade angesehen habe: "Das ist ein Vater, wie man sich ihn wünscht." Genau. Aber lieber lasse ich den Tränen freien Lauf, als mich in einen emotionalen Kerker zu sperren. Ich werde dem Unmut Luft machen. Später. Vielleicht heute Nacht, vielleicht morgen. Heute Abend findet wieder das Kino mit T. statt, es wird mich ablenken. Keine Frage. Ich wünsche mir nur, dass der Film sich nicht in mein Herz zum Schlafen legt. Was auch immer gezeigt wird.

Ein paar Grüße. An das beste Ypsilon, das sich tapfer durch die Arbeit quält und ohne das ich vollkommen verloren wäre. An meine Katze, die nicht aufhört, mich mit Mäusen und Vögeln zu versorgen und S., deren Hochzeit nun schon ein paar Tage her ist und die immer noch nicht ganz begriffen hat, was da eigentlich geschehen ist. Allen anderen gehören meine Gedanken, die bei weitem nicht immer so ernst sind, wie ich hier klinge.

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