Ganz anders

Und dann. Dann ist plötzlich alles anders. So, wie ich den gestrigen Abend für mich geplant hatte, so verlief er nicht. Das habe ich mir selbst zuzuschreiben, ich habe mich entschieden, mich nicht für mich selbst zu entscheiden. Und am Ende bin ich trotz der Turbulenzen froh, dass ich es getan habe. Trotz der Turbulenzen. Froh. Und auch wenn ich heute noch nachdenklicher bin, auch wenn ich mich wieder ein Stück seltsamer fühle, wenn ich mehr denn ja an meine Unzulänglichkeit glaube, war es richtig, den gestrigen Abend so zu verbringen. Wie? Ganz ehrlich, ich kann es nicht in Worte fassen, denn nichts passt so recht. Asyl? Nein. Abschied? Auch nicht. Angebot? Sicher nicht. Es ist schwierig, ich bin noch auf der Suche. Ich solle nachsichtig sein, schrieb mir gestern jemand - und ich gebe mir Mühe. Bei allem was da ist, bei allem was sich in Nachsicht regt, wehrt sich mein Egoismus gegen Verletzungen und drohendes Unheil. Schwer genug war es, meinen Kopf aus der brodelnden Suppe zu ziehen, ohne Verbrennungen wieder das Gesicht zeigen und wahren zu können, mich im Spiegel zu sehen und zu sagen: "Ja, ich kenne Dich." Schwer genug. Und ich will das nicht noch einmal. Nicht noch einmal. So begleitet mich heute die Gitarre durch den Tag, ich suche nach Akkorden und Harmonie. Der einfachste Weg. Alles andere ist schwer genug.

Es geht mir noch nicht wesentlich besser, aber es ist eine Veränderung erkennbar. Tendenz steigend. Essen mag ich nicht, ich ernähre mich von Wasser und ein igen Bananen. Eigentlich wollte ich. Eigentlich. Ja, eigentlich wollte ich gestern meine Ruhe ausdehnen und die gesammelten Gedanken zu einer Geschichte formen. Vielleicht. Ja. Vielleicht geschieht das heute.

Ich grüße die Unentschlossenen, die Verzweifelten und die Einsamen, auf dass sie sich und ihr Lächeln wieder finden. Und ich grüße die Verwaltungsangestellten in ihren staubigen Büros sowie die Ärzte. Vielleicht sollte ich doch noch einen aufsuchen.

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