Schreibheilung

Eigentlich. Immer dieses nervtötende Wort. Ich wollte mich heute mit T. treffen, ins Kino gehen, aber ich fühle mich immer noch nicht gut. Gar nicht gut. Noch immer Schmerzen im Kopf, am Kopf und nun auch im Ohr. Morgen besuche ich einen Arzt. Und heute Abend nicht das Kino. Ich hasse mich, wenn ich krank bin, wenn ich zu kraftlos bin, das Bett zu verlassen. Gerade jetzt möchte ich ausnahmsweise mal spazieren gehen, fühle mich aber nicht dazu in der Lage. Es ist enttäuschend. Eingepackt in Decken unter denen ich in zwieblischem Kleidungsstil mich verstecke. Wärme. Müde. Schlafen. Aufwachen. Ein wenig Arbeiten. Wieder schlafen. Und die Katze auf meinem Bauch. Schlafend. Und viel trinken. Viel trinken. Und morgen lacht der Arzt mich aus, erklärt mir, dass alles nicht so schlimm ist. Hm. Ich werde es ja sehen und hören. Und je mehr ich darüber schreibe, desto weniger schmerzt mein Ohr. Vielleicht sollte ich immer weiter darüber schreiben, den ganzen Nachmittag, den ganzen Abend, die ganze Nacht und bin dann am Morgen wieder gesund. Da lache ich dem Arzt dann ins Gesicht und erkläre ihm, dass ich ihn gar nicht brauche. Vielleicht. Mal sehen, was geschieht, wenn ich morgen aufwache. Wenn ich nicht aufwache, dann war es wohl doch etwas ernster. Nein-nein, so schlimm ist es nicht.

Und was für ein Gefühl war das. Am Freitag. Berauscht war ich, als sie mir in die Arme sprang. Das kleine, rotblonde Stück Leben. Hat sich an mich geschmiegt, sich an meiner unrasierten Wange gerieben. Meine Nichte, die jüngere der beiden. Amelie. Entzückend. Wirklich. Ich bin immer noch infiziert. Oh, auch von Leonie. Ich werde sie mal besuchen. In München. Zu kurz der Aufenthalt hier, aber es ist auch gut, dass ich sie nicht 24 Stunden ununterbrochen um mich habe. Einen Tag würde ich durchhalten. Denke ich.

Die Ruhe tut mir gut, ich finde wieder ein paar Gedanken und sammle Kraft. Vermutlich ist dieser Anflug von Krankheit wieder ein Signal des Körpers, dass ich mich ein wenig zurücknehmen muss, dass ich eine Pause brauche. Im vergangenen Jahr um diese Zeit flog ich in den Urlaub. Zum ersten Mal seit fünf Jahren war ich fern der Heimat, sieben Tage ohne Arbeit. In diesem Sommer kann ich nicht, kann ich nicht fort. Leider. Aber ich könnte es gebrauchen. Eine Pause. Und die Ruhe heute ist gut, auch das Telefon bleibt stumm, niemand der mich um Informationen bittet oder damit versorgt, keine wichtigen eMails, die dringend bearbeitet werden müssen. Ein Sonntag, wie ihn vermutlich alle Menschen erleben. Nichtstun. Endlich mal. Faulheit. Grenzenlos. Ja, ich habe heute ein paar Dinge erledigt, Kleinigkeiten. Nebenbei. Aber nichts im Vergleich zu dem, was in zwei Wochen wieder anstehen wird. Und schon allein mit diesem Gedanken im Hinterkopf, kann ich den Tag heute genießen. Wundervoll. Ich werde noch die Maden anlocken, wenn ich mich weiterhin nicht bewege. Und jetzt habe ich gerade eine zauberhafte Idee für das morgige Foto. Fein. Und ich verschwinde wieder. Unter der Bettdecke. Im Schlaf. In den Gedanken.

Grüße. Grüße. An die Großmutter, die unfreiwillig auf mich verzichten musste und an meine Schweizer. An das beste Ypsilon von allen, das ebenfalls ein wenig kränkelt und an meine entzückenden Nichten, die nun wieder auf dem Weg zurück nach München sind. Und einen Gruß nach München.

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