Simple Dinge
Das Leben kann so einfach sein. So einfach. Ich sitze noch immer im Büro, esse einen Kirschjoghurt und hasse mich selbst. Ja, so einfach ist das. Ich hasse mich für das, was ich gerade tue. Ich bin in diesen Tagen Unternehmer, Geschäftsmann, beschäftigt, geschäftig. Nein. Es ist mir zu viel, wo ist meine Zeit, meine Ruhe. Oh, ich nehme sie mir so gut ich kann, schlafe am Nachmittag auf dem Bürostuhl einfach ein, während ich meinen Kopf nur für ein paar Sekunden in den Nacken lege. Ich schlafe momentan sogar nachts, weil ich einfach nicht mehr kann. Wie ein Gummiband, an dem ich zu oft gezogen habe, das nun spröde ist, Risse bekommen hat und an einigen Stellen bereits bedrohlich dünn geworden ist. Und dann kommen sie aus ihren Löchern mit Fragen und Zweifeln, dann kommen sie. Ich soll mehr delegieren, mich nicht um alles selbst kümmern. Ich soll auch Arbeit abgeben. Ja, das würde ich wirklich gern, aber ich kann es nicht. Ich kann es nicht. Es gibt viele Gründe dafür, ich tue mir vor allen Dingen schwer damit. Schwer. Gewichtig. Wichtig. Wo sind meine Geschichten, die mich sonst retten? In meinem Kopf, ich kann sie sehen, ich kann von ihnen erzählen, aber ich kann sie nicht schreiben. "Verband, schmerzt mein Kopf", höre ich Hans Clarin alias Hui Buh. Ja, er schmerzt. Anderen geht es schlechter, ich weiß. Aber jedes Paket wiegt so schwer, wie es die Kraft des Trägers erlaubt. Vielleicht bin ich schwach, vielleicht kann ich eben einfach nicht so viel tragen. Immer wieder Müdigkeit. Und dann kommen sie mit ihren guten Ratschlägen, dann kommen sie aus ihren Löchern mit dem jovialen Lächeln und den Büchern, die alles besser wissen. Dass ich nicht lese, muss ich niemandem mehr erzählen. Glaube ich. Und dennoch so viele, die mich bekehren, belehren wollen. Ich solle doch nur einmal zuhören, vielleicht würde mir allein das schon helfen. Ich höre ja zu. Aber ich kann mir keinen Urlaub nehmen, weil ich mir keinen Urlaub geben kann. So ist das. Es ist keine leichte Zeit und das, was meine Mundwinkel vor dem tiefen Fall rettet, ist der Gedanke, dass ich irgendwann unter einer Palme sitzen, auf das Meer sehen und über diese Tage lächeln werde. Irgendwann. Ich weiß, dass diese Zeit kommen wird. Es ist alles ganz einfach.
Ich grüße. Immer noch. Immer wieder. Ich grüße die fast schon entzückend unfreundliche Kassiererin in meinem Lieblingssupermarkt, die sich heute ein Lächeln erdreistete, den Vorsitzenden den Niedersächsischen Fußballverbandes Kreis Harburg, alle ehemaligen Auftragskiller, meine Katzen und Mütter in italienischen Autos mit Navigationssystem. Und alle anderen.
Ich grüße. Immer noch. Immer wieder. Ich grüße die fast schon entzückend unfreundliche Kassiererin in meinem Lieblingssupermarkt, die sich heute ein Lächeln erdreistete, den Vorsitzenden den Niedersächsischen Fußballverbandes Kreis Harburg, alle ehemaligen Auftragskiller, meine Katzen und Mütter in italienischen Autos mit Navigationssystem. Und alle anderen.