Ernüchterung

Ist es wirklich so schlimm? Nein, es ist schlimmer. Je höher der Flug, desto tiefer der Fall. Mensch, sage ich zu mir mit einer gehörigen Portion Sarkasmus, ich habe die Depressionen wirklich vermisst. Es tut gut, endlich wieder alles in Frage zu stellen, endlich wieder vollkommen verloren zu sein. Kompletter Unfug. Alles. Mein Kopf treibt wie ein Luftballon und ich laufe mit einer Nadel hinterher. Dummerweise ist der Wind zu stark. Oder es ist zu viel Helium in dem Ballon. Alles Unfug. An Tagen wie diesen will ich nicht mehr fliegen können, an Tagen wie diesen will ich immer auf dem Boden bleiben und auf einer geraden Linie gehen, nicht abweichen vom Weg. Artig sein. Anständig sein. Auch Regeln befolgen. Und nicht den Gefühlen folgen, nicht den Träumen hinterher laufen. Wie diesem Luftballon. Kopflos mit einer Nadel in der Hand, versuchen für Befreiung zu sorgen, den Druck entweichen zu lassen. Ruckartig. Kopflos. Wie ein Pirat nach dem Enthaupten laufen und laufen, an den Gedanken vorbei und die, die ich passiere, die bleiben am Leben. Wie Klaus Störtebeker. Ich mochte die Geschichte immer. Zumal ich immer Pirat sein wollte, aber die Schiffe sind heute nicht mehr zu entern. Jedenfalls nicht so leicht. Ich lasse meinen Kopf treiben, lasse ihn ziehen und hoffe, dass es irgendwo zerplatzen wird. Ich kann das Gummi flicken, ich habe es schon dutzende Male getan. Ich kann alles reparieren, aber manchmal bin ich einfach zu müde. Jetzt. Ich bleibe kopflos. Heute.

Ich wünsche allen einen hohen Kragen und ein paar Schritte Distanz zur Guillotine.

Zuletzt geschrieben

Newsletter

captcha