Was für ein Fest

Mitten im Schnee - und still ist es. Wirklich still, denn das Wetter sorgt für einen Arbeitsstopp. Nicht ganz, aber das, was ich heute nun noch zu erledigen habe, kann ich ganz entspannt abarbeiten. So entspannt, dass ich sogar mit der Kamera unterwegs sein werde - was für ein Fest. Mir ist zwar entsetzlich kalt, aber ich kann anschließend in Ruhe duschen und schreibe zwei - ja, es sind wirklich nur zwei - Texte, die ich in aller Ausführlichkeit zelebrieren werde. Wunderbar. So könnte es immer sein, so mag ich diese Arbeit auch wirklich. So. Aber nicht am Text-Fließband sitzen und Worte aneinanderreihen, die zwar passen, aber letztlich vollkommen hohl sind. Ungefähr.

Gestern der Quantensprung: Vollkommen ruhig lag ich im Bett, es muss irgendwann gegen Mittag gewesen sein, ich kann es nicht genau sagen. Aber plötzlich war alles wieder da, plötzlich sah ich den Wald, so wie ich ihn gern betrachte, plötzlich waren all die Gedanken wieder da, die Gefühle, die ich schon so lange vermisst hatte. Ganz plötzlich. Oder auch gar nicht plötzlich, eine logische Folge der einkehrenden Ruhe. So weiß ich, dass ich im Winter wieder schreiben werde, dass ich Gedanken finden werde, die mir Spaß machen und die für Bilder in meinem Kopf sorgen, aus denen ich dann wieder Bilder entstehen lassen kann, die ich mit Worten fotografieren werde. Es ist alles ganz einfach, wobei das Finden eines Literaturagenten sich als weitaus schwieriger herausstellt, als ich angenommen hatte. Entweder sind die Damen und Herren alle vollkommen überlastet oder sie haben keine Lust, Absagen zu schreiben oder sie sind verstorben. In jedem Fall wären Antworten schön, aber die Menschen haben in diesem Punkt ihre Höflichkeit verloren. Glaube ich. Nein, es geht mir gar nicht um die Floskeln "Guten Tag" oder "Wie geht es Dir?", nein, ich denke immer noch, dass ich auf eine Frage auch eine Antwort bekomme. Hrmpf, ich werde zynisch, das muss heute nicht sein. Nein, wirklich nicht.

Ich habe gestern Abend in einem Anfall von Wahnsinn und Fingerfertigkeit den Rechner komplett umgebaut, aufgerüstet und sogar erweitert. Das denkende Metall hat keinen Schaden genommen, ich auch nicht und ich bin jetzt sogar zufrieden, weil ich alles an einem Rechner machen kann. Ja. Das ist gut und wichtig, wenn ich an den CDs arbeiten will, wenn ich das Hörbuch mische und mastere. Ja. Ich bin wirklich zufrieden. Und dann noch der Schnee, viel besser könnte der Monat November gar nicht sein - es ist und bleibt mein Lieblingsmonat. Ja.

Hm. Jetzt wird die Zeit ein wenig eng, ich will noch in Ruhe die Kamera vorbereiten, denn Schnee-Aufnahmen sind immer ein wenig schwierig. Oranger Ball, lustig, die Gleichgesinnte hätte ihren Spaß - aber sie schläft friedlich. Hoffe ich. Sie hat der gastrige Tag ziemlich erschöpft und ich weiß genau, wie das ist. Ganz genau. So genau, dass ich fast auch ein wenig erschöpft bin. Aber momentan ist mir nur kalt.

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