Rapsgier

Ein halber Tag in der großen Stadt, die gar nicht so weit entfernt ist. Und dennoch mag ich nicht gern dort sein. Ich fühle mich wie ein Außerirdischer unter all den Menschen, ich verliere mich zwischen all den Gesichtern, Körpern, den Düften und Gerüchen, zwischen all den Gesprächsfetzen, die noch endlos lange in meinen Hirnwindungen widerhallen. Und meine Poren sind verstopft vom unreinen Gebräu der Großstadtluft, meine Haut fühlt sich schmutzig an. Nicht so schmutzig, wie ich mich fühle, wenn ich über die staubigen Feldwege tapse und sich Sand und Pollen in meiner Kleidung festsetzen, dunkle Ränder an meinem Hals hinterlassen. Nein. Es ist ein anderer Schmutz, von dem ich mich bedroht fühle, der mich krank macht. Immer wieder reibe ich mir die Wange, weil ich das Gefühl habe, infiziert zu sein. Herzlos und kalt ist es in der Stadt, die Bäume wie Gefangene auf kleinen grünen Inseln und die Menschen mit beschäftigten Gesichtern. Oh, freilich sehen auch die Menschen in meinem Dorf mitunter so aus, aber sie begegnen mir nicht an jeder Ecke. Und wenn ich freundlich lächle, dann winkt mir der alte Mann zu, der immer mit seinem Dackel spazieren. Ich kenne ihn, ich weiß nicht einmal wie er heißt, aber ich winke freundlich zurück. Das Leben in der Stadt fühlt sich wichtig an, das Leben hier draußen ist entspannter. Für mich. Ich fühle das so. Und wenn ich über Land fahre, ertrinke ich im tiefen Gelb der Rapsfelder. Wundervoll. Ich weiß, warum ich gern hier bin, ich genieße diese Aussicht.

Fünf. Meine Glückszahl. Ich habe die Gedichte-Sektion um fünf alte Werke erweitert: Tag am Meer, Mit der Leichtigkeit von Fliegen, Bunt und Schön, Blättere in Vergangenheiten und Heimarbeit. Und das reicht für diese Woche, vielleicht habe ich in der kommenden Woche noch ein wenig Nachschub, aber das überlege ich mir noch. Und weil dieser Tag heute wahrlich kurios und großartig war, grüße ich heute alle Menschen, die keine Armbanduhr tragen. Aber auch allen anderen wünsche ich eine entspannte Nacht. Und mir noch einen Tee und etwas Schlaf.

Zuletzt geschrieben

Newsletter

captcha