Im matten Licht
Und dann ist es plötzlich wieder spät geworden. Plötzlich. Ich weiß nicht, wie das geschieht. Ich weiß nicht, warum die Zeit um mich herum verschwindet. Wieder ein Foto zum Wochenstart, dass ich in der Nacht aufnehme. Stativ und ein zeitverzögerter Selbstauslöser. Irgendwann trifft es mich während ich auf das Geschriebene starre, noch immer den Klängen von Frau O'Connor lauschend. Nachdenklich bin ich nun, immer wieder reflektierend, immer wieder alles in Frage stellend. "Du bist schon ein seltsamer Kauz", sagte heute jemand zu mir und klopfte mir dabei auf die Schulter. Ich habe es stillschweigend als Kompliment angenommen und hoffe, dass es auch so gemeint war. Manchmal ersticke ich an mir, an meinen Gedanken und dann, wenige Augenblicke später, schwebe ich scheinbar schwerelos durch den Raum meiner emotionalen Konstrukte, fühle mich frei und friedlich. Und dann, plötzlich, stürze ich zu Boden. Kein Netz. Ich bin dafür selbst verantwortlich, ich kann das alles steuern, wenn ich die Kraft finde. Wenn ich die Kraft nicht finde, dann wird es wirklich anstrengend. Vermutlich ist das der Grunde, warum ich hin und wieder vor allem fliehe. Es ist einfacher, wenn ich mich nicht mit allen Gedanken auseinander setze, wenn ich meine Erinnerungen dort lasse, wo ich sie vor langem hinschickte. Meinen Kopf an eine Schulter lehnen und keine Fragen beantworten, ein paar Tränen rollen lassen, eine davon mit der Zunge auffangen und das Salz schmecken, ohne dabei in der Einsamkeit zu ertrinken. Mist. Woher kommt diese Stimmung. Nachts. Ich sollte schlafen. Vielleicht tue ich es und das ist alles nur ein Traum. Ein Traum. Nur ein Traum. Ich werde versuchen zu schlafen. Ich muss schlafen.