Sucht

Sucht? Armin sucht. Armin sucht Schokolade. Und das ist eine Form der Sucht. Und es ist ziemlich dumm, weil ich eine Tafel Schokolade nicht mehr finde. Eine große Tafel, eine 300-Gramm-Tafel von Milka - und ich wüsste es, wenn ich sie gegessen hätte. Aber deswegen bin ich nicht wach. Ich kann meine Unterzuckerung auch anders bekämpfen, denn meine Notration Nutella ist griffbereit und ein Plastiklöffel auch. Im Grunde genommen ist das auch viel besser als Schokolade, aber andererseits verstehe ich nicht, wie sich 300 Gramm Süßwaren in Luft auflösen können. Gerade jetzt äße ich sie gern, und ich weiß, dass ich sie irgendwann finden werde. Vermutlich im Backofen. Nein, dort habe ich schon nachgesehen.

Ich habe schon immer die Menschen beneidet, die sich abends ins Bett legen und einschlafen. Können. Ich kann mich immer ins Bett legen, aber ich kann nicht immer schlafen. Und es wird schlimmer. Obwohl der Tag lang und anstrengend war, kann ich nicht schlafen, liege ich wach und quäle mich mit Gedanken. Ich hätte eMails beantworten können. Sollen. Aber mir fehlen Worte. Oder auch Gedanken. Ich bin mit anderen Dingen beschäftigt. Nein, es ist nicht die Suche nach Schokolade. Ich suche nach einer Lösung, ich suche nach einem Weg, wie es für mich weitergeht. In meinem Leben. Ab Juni. Ganz einfach hatte ich es mir vorgestellt. Aber so leicht ist es nicht, die Komplexität des Vorganges habe ich unterschätzt. Das geschieht selten. Sehr selten. Mein Verstand ist gefragt, ich brauche meinen Kopf. Nicht das Herz entscheidet, nicht der Bauch, es ist eine Frage der Kalkulation. Zahlen. Und das mir, der ich mich lieber mit Worten umgebe.

Es regnet. Klopfende Tropfen an meinen schrägen Fenstern. Mit dem Mund voll Nutella sehe ich mich im Fensterglas der Balkontür. Schemenhaft. Wie ein Geist. Der Regen. So beruhigend. So angenehm stetig, voller Bewegung, Es ist schöner als jede Musik, dem Fallen der Tropfen zuzuhören. Und durch die geöffnete Balkontür kann hören, wie das Wasser auf die jungen Blätter fällt. In der Regenrinne gluckert es. Und ich kratze meinen kahlen Kopf, sitze mit dem Mund voll Nutella an einem mobilen Rechner, um Schlaf bittend. Ja, ich bitte darum. Ich werde es noch einmal versuchen, werde mich den Tropfen hingeben und mich in diesem Geräusch verlieren. Ablenkung. Der Tag heute wird sehr lang und ich brauche noch ein wenig Schlaf. Tropfenweise.

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