Der talentierte Herr Armin

Ein kraftraubender Tag. Sonntag. Und ich bin noch nicht so recht müde, aber ich habe rechtzeitig Schluss gemacht. Den Rest der Berichte werde ich ich erst morgen schreiben, ich bin leer. So viele Zeilen und ich habe alles vor Mitternacht geschafft. Drei Ligen. Und die vierte dann eben erst morgen, die kommt in anderen Zeitungen ohnehin nicht vor. Ich denke, das ist dann schon in Ordnung. Fühle ich da ein schlechtes Gewissen? Ja, ein wenig, doch, da ist etwas. Aber. Nein, kein aber. Es ist gut so, wie es ist, ich bin jetzt leer und kann nicht mehr über Fußball schreiben. Ich kann jetzt über gar nichts mehr schreiben. Ich bin müde. Ach, das Jammern ist da. Der gute, alte Armin. Na, fein.

Zum Abschluss des Tages: "Der talentierte Mr. Ripley". Ich weiß, dass viele diesen Film langweilig finden und fanden, ich glaube, dass die Kritiker den Film verrissen haben - aber der Film gehört mir. Ich mag die Lügen, ich mag das Konstrukt, das Ripley aufbaut, eine Lüge um die andere webend, sich aus den gefährlichen Situationen herauswindend und wieder eine neue Wahrheit erfinden. Wie lange habe ich so gelebt. Umgebracht habe ich niemanden. Gut, immerhin. Aber die Lügen, die Geschichten um mich herum, die kleinen und großen Gespinste, die waren da. Vergangenheit? Hm. Ich muss nicht lange überlegen, ich bin auf die neue Ehrlichkeit stolz. Ich glaube, ich kann bald auf zwei Jahre zurückblicken, kleinere Ausrutscher übersehe ich da mal. Finde ich. Die großen Katastrophen sind mittlerweile ausgeblieben und das ungute Gefühl gibt es auch nicht mehr. Die Angst, etwas Falsches zu sagen. Situationen, in denen ich darauf hoffte, dass sich die Menschen in einem Raum nicht auch noch begegneten. Hm. Und obwohl das alles vorbei ist, verstört mich, beklemmt mich der Film immer noch. Immer wieder. Ein wenig wirr im Kopf. Jetzt. Bestimmt kann ich jetzt nicht schlafen. Nicht schlafen. Nein. Muss ich aber. Muss ich? Hm. Ich will jetzt schlafen.

Und Grüße. An T. - nicht mehr lange bis Donnerstag -, an die Gleichgesinnte hier und an die Gedankenschwester in der Verbundenheit. So. An meine Katze, an die neuen Matratzen auf dem Balkon - ein luftiges Hallo - und an die Ripleys irgendwo da draußen: Es kommt am Ende alles raus, das weiß ich aus Erfahrung. Müde, ich nehme heute alle und alles mit ins Bett. Gute Nacht.

Zuletzt geschrieben

Newsletter

captcha