Zeitlupengedanken

Diese Hitze lähmt mich. Vollkommen. Viele Tiere halten Winterschlaf, weil sie in der Kälte ihre Körperfunktionen herabsetzen, die Augen schließen und die kalte Zeit verschlafen. Bei mir ist es umgekehrt, ich will den Sommer verschlafen. Es hilft auch nichts, jetzt an Schnee unter meinen Füßen zu denken, nein. Auch nicht an die kalte, klare Luft, die meinen Kopf so berauscht. Auch nicht an die klirrende Kälte, nicht an die endlosen Regentage, die im November und Dezember die Stunden mitunter so kurzweilig machen. Nein. Es hilft nichts, daran zu denken. Das einzig, das ich mitnehmen will aus dem Sommer, sind die Nächte, in denen ich draußen schlafen kann. So wie die vergangene. Der Kopf in den Sternen, Gedanken dazwischen und ein Lächeln auf den Lippen. Für einen Moment lang war alles gut, für einen Moment. Alles still und ruhig, der Wald dunkel und unbeweglich, hier und da ein Rascheln und irgendwo, ganz weit entfernt die Geräusche der Zivilisation. Aufgewacht bin ich, als der Tag sich nicht mehr verleugnen ließ. Seltsame Gedanken in meinem Kopf. Und auf diesem Sonnenstuhl schläft es sich schlecht, ich muss mal auf dem Dachboden nachsehen, ob ich nicht noch eine alte Matratze finde.

Heute besucht mich die Gleichgesinnte zum Tanken von Kraft. Diese Übereinstimmungen sind gut, es ist wie mit der Gedankenschwester, die einfach versteht und bei der auch ich einfach verstehe. Während ich heute arbeite, wird die Gleichgesinnte durch den Wald laufen, wird den Kopf befreien. Ich kenne die Leere nach der Bühne nur zu gut, ich weiß, wie es ist, alles zu geben und gar nichts zu bekommen. Ganz gleich, wie laut der Beifall in den Ohren dröhnt. Das Tief ist grausam und bei all den Gedanken, in denen ich mich mit einer Rückkehr auf die berüchtigten Bretter beschäftige, bei all diesen Gedanken habe ich dann immer den anschließenden Fall im Kopf, die Leere, die Einsamkeit. Im Grunde genommen fühle ich ja auch jetzt ähnlich, wenn ich eine Geschichte schreibe, ein Gedicht oder hoffentlich bald wieder am Roman arbeite, im Grunde genommen geht es mir ähnlich, wenn ich den Text zu Ende geschrieben habe. Danach herrscht eine beängstigende Stille in meinem Kopf, Angst und Trauer und ein kleines Hochgefühl, das umgehend der Leere Platz machen muss. Oh, ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin, ich weiß es, weil ich es fühle. Aber manchmal ist es einfach anstrengend, manchmal sind die Zweifel größer als die Zuversicht. Größer. Manchmal. Und dann ist auch noch Sommer.

Grüße. An AltA - angeblich kann ich Dir in den kommenden Woche endlich 20 Exemplare bringen - und an die Gedankenschwester: Er ist es nicht wert, wenn er keiner von uns ist, spar die Energien. An T. mit einem Lächeln, an L. zum Thunersee und an meine Katze, die in diesen Tagen ebenso fühlt wie ich. Oh, und angeblich bin ich kein echtes Sommerkind, weil ich den Sommer nicht mag - das ist mir egal, dann lege ich meinen Geburtstag eben um.

Zuletzt geschrieben

Newsletter

captcha