Der Rest des Lebens
Wach bin ich, sauber und ich rieche auch gut. Finde ich. Meine Augen kleben nicht zusammen und ich bin entspannt. Gut, das ist ein Start in den Tag. Wach bin ich schon länger, aber ich war noch nicht in der Lage aufzustehen: Ich finde es wirklich anstrengend, wenn ich so lange arbeite, wenn ich noch bis drei Uhr am Rechner sitze. Hinterher habe ich dann immer das Gefühl, ich hätte hunderte von Fehlern gemacht. Hunderte. Was weiß ich. Vielleicht ja auch nur sieben. Aber heute sehe ich das alles gelassen, auch wenn die Arbeit mich zu erschlagen versucht. Versucht. Im Zweifelsfall kann ich ausweichen, einen Schritt zur Seite springen. Hm. Und dann fällt mir gleich wieder dieser Begriff ein: Seitensprung. Seltsam. Zur Seite. Es könnte auch ein Sprung nach vorn sein. Oder auch zurück. Aber warum zur Seite? Dafür gibt es sicher irgendeine altertümliche Erklärung aus den Zeiten, in denen die Menschen sich versprachen, bis zum Tod miteinander verbunden zu sein. Ja, das tun sie auch heute noch, aber kaum jemand nimmt diesen Liebesschwur ernst. Ich ja ohnehin nicht. Schlimm genug, dass ich den Rest meines Lebens mit mir verbringen werde, jemand anderes würde da auf Dauer nur stören. Oder so ähnlich. Nein, ernsthaft: Wie soll das nur funktionieren? Die wenigen Beispiele, bei denen die Bindung hält, belegen für mich das Gegenteil. Bis zum Tod. Hm. Seltsam. Bis zum Supermarkt und zurück, das wäre mal ein Schwur, den ich leisten würde. Ja. Oder bis zur nächsten roten Ampel. Hm, nein, lieber nicht, es gibt hier so wenig Ampeln, dann müsste ich nach Hamburg fahren, um mich zu trennen. Hm. Und dort könnte ich dann zur Seite springen, aus dem Wagen - vielleicht kommt er daher, der Seitensprung. Hm. Und ich glaube, jetzt bin ich wirklich wach.
An die Arbeit, Armin. Es sind ja nur ein paar lumpige Texte, die ich bis zum Abend schaffen will. Und später werde ich dann die Gleichgesinnte auf der Bühne ablichten - darauf freue ich mich schon jetzt, das wird gut. Und die Fotos hoffentlich auch. Bestimmt. Ah, endlich wieder eine abwechslungsreiche Arbeit, neue Motive und Bilder für meinen Kopf. Fein. Aber jetzt folgen erst einmal die lästigen Texte. Noch zwei Wochen, dann habe ich ein wenig Ruhe - und dann, ja, dann schreibe ich auch mindestens eine Geschichte. Mindestens. Bis zur roten Ampel. Und zurück.
An die Arbeit, Armin. Es sind ja nur ein paar lumpige Texte, die ich bis zum Abend schaffen will. Und später werde ich dann die Gleichgesinnte auf der Bühne ablichten - darauf freue ich mich schon jetzt, das wird gut. Und die Fotos hoffentlich auch. Bestimmt. Ah, endlich wieder eine abwechslungsreiche Arbeit, neue Motive und Bilder für meinen Kopf. Fein. Aber jetzt folgen erst einmal die lästigen Texte. Noch zwei Wochen, dann habe ich ein wenig Ruhe - und dann, ja, dann schreibe ich auch mindestens eine Geschichte. Mindestens. Bis zur roten Ampel. Und zurück.