Bitte kein Lagerfeuer
Es gibt Dinge, die verschweige ich besser. Dass ich heute Abend im Kino war, ist im Grunde genommen gar nichts Schlimmes, es geht dabei mehr um den Film, den ich gesehen habe. Gut, ich habe schon vorher gesagt, dass mich der Film nicht sonderlich interessiert, sondern lediglich Orlando Bloom. Oder zumindest dessen Aussehen. Gut, und unter diesem Aspekt hat sich der Abend auch gelohnt: Dunkelhaarig, leicht verwegen war Herr Bloom in vielen Einstellungen ein wahrer Augenschmaus. Dafür waren die Einstellungen nicht nur Einstellungssache, sondern schlicht und ergreifend langweilig, mitunter unfreiwillig komisch und schließlich auch wenig innovativ. Sicher, es gab ein paar beeindruckende Bilder, da muss ich A. Recht geben - aber die wiegen die gut zwei Stunden nicht auf. Wirklich nicht. Auf viele Szenen hätte ich gern verzichtet. Unter anderem hätte ich auch gern auf das quasselnde Paar neben mir verzichtet, dass neben dem unsäglichen Wortschwall auch in der Lage war, den Verzehr des Popcorns wie ein muter prasselndes Lagerfeuer klingen zu lassen. Das Geräusch ist in der richtigen Umgebung ein Hörgenuss, im Kino gepaart mit dem Duft des geplatzten Mais ist es für mich fast unerträglich. Na, das war dann vorerst die letzte 20 Uhr Vorstellung in dieser Woche. In diesem Monat. In diesem Jahr. Aber in der kommenden Woche entscheide ich mich bestimmt wieder um, ich kenne mich.
Meine Traumfrau liegt neben mir. Auf dem anderen Bürostuhl. Zusammengerollt. Ich habe ihr vor wenigen Minuten so viele Ich-liebe-Dichs ins Fell geflüstert, dass ich sie nicht mehr zählen kann. Heute Nachmittag, während des Gewitters, hatte sie Angst, kletterte eilig auf meinen Schoß und drückte sich dicht an mich. So wie ich es in den Nächten mache, wenn ich mich vor den Gedanken und Bildern in meinem Kopf ängstige. Und jetzt bleibt sie in meiner Nähe, sie wäre heute sicher auch gern mit ins Kino gekommen. Sicher. Manchmal will ich nicht von ihr lassen, will, dass ich den ganzen Tag meine Nase in ihrem Fell bade. Und dann wieder nicht, dann ist auch sie mir zu viel. Selbst sie, die alles von mir weiß.
Ich habe noch ein paar Gedanken im Kopf, mag jetzt aber nicht alles aufschreiben. Mir fehlt auch etwas. Schlaf. In der vergangenen Nacht gab es zu wenig, heute will ich etwas mehr schlafen, der Tag wird auch wieder anstrengend - es ist einfach zu viel Arbeit. Morgen. Oder eben heute.
Und Grüße gibt es wieder nicht. Vielleicht morgen.