In der Welt versunken

Mitten im Leben, aber dann doch nicht dabei. Ein verwirrender Tag, ich bin zwar aufgestanden, aber vermutlich ist irgendetwas im Bett liegen geblieben. Ganz sicher bin ich mir freilich nicht, aber es fühlt sich so an. Und ich habe heute Fleisch gegessen, das vermutlich zu viel des Guten. Nicht, dass ich Fleisch nicht mag, ich wollte es schließlich ja auch essen, aber es war einfach zu viel. Maßlos. Schon wieder. Der Herr Sengbusch kann einfach nicht genug kriegen. Von was auch immer. Heute waren es Fleisch und Ruhe. So viel. So habe ich heute Mittag mich hingelegt, war wieder müde, brauchte Ruhe. Geschlafen habe ich, ich weiß nicht wie lange, es hing aber wohl mit dem Genuss des Fleisches zusammen, mein Körper, mein Bauch war zu beschäftigt, als das mein Kopf noch mit Energien versorgt werden konnte. So erkläre ich es mir. So. Ungefähr. Aber ich werde heute Nacht sicher trotzdem gut schlafen, ich bin ruhig, ich bin schläfrig und diesen Zustand werde ich ausnutzen. Ganz radikal.

Gib mir Kraft. Mir. Ich weiß nicht einmal, wen ich darum bitten soll. Kraft. Ein kleines bisschen Kraft. Hallo? Ja, ich bin ja hier. Und ich weiß ja auch, dass nur ich selbst mir Kraft geben kann. Aber manchmal, hm, manchmal ist das alles anstrengend. Heute war E. den ganzen Tag hier und in Momenten wie diesen merke ich, wie sonderbar ich bin, wie eigenbrötlerisch, wie versunken in meiner Welt ich lebe. Das ist anstrengend. Für andere. Und auch für mich. Hui Buh kann das alles ertragen, sie stellt kaum Ansprüche, will nur den Teller gefüllt haben und auf meinem Schoß sitzen. Menschen sind nicht so leicht zu befriedigen, da muss mehr von mir kommen. Aber das geschieht nicht, ich kümmere mich um mich selbst, um meine Gedanken, um meine Gefühle und um mein Glück. Immer wieder Enttäuschungen. Immer wieder. Ich bin es dann schließlich auch selbst, ich bin es dann immer wieder. Enttäuscht. Und wohin, wohin? In meinen Kopf, ich ziehe mich zurück, denke mir, wie es gut sein könnte - aber umsetzen, nein, umsetzen kann ich es nicht. Herr Sengbusch, sie sind nicht nur anstrengend, sie umgibt auch der Pesthauch der sozialen Inkompatibilität. Ach, das ist fein bemerkt - und nun? Nicht so viel jammern, Herr Sengbusch, einfach besser machen. Sehr witzig, wenn es denn so einfach wäre. Immer wieder auf der Suche, immer wieder enttäuscht und enttäuschen, immer wieder etwas Neues, das Sekunden später dann alt ist. Ein sehr krankhaftes, ungesundes Verhalten. Denke ich. Ändern kann ich es nicht, ich fühle immerzu Stillstand und muss mich bewegen.

Ich bleibe heute wieder endlos wach, ich weiß es. Das Fleisch, die Gedanken, alles quält mich. Ja, ich bin selbst Schuld und kenne das Übel. Aber manchmal brauche ich dieses ungute Gefühl auch, nur damit ich nicht vergesse, wie sich die hellen Tage anfühlen.

Grüße? Hm. Ich weiß nicht.

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