Männliche Energien

So. Dann also doch. Ich hatte wirklich keine Lust, gar keine Lust. Zum Arbeiten. Dafür habe ich in der vergangenen Nacht tatsächlich geschlafen, unglaublich. Zufrieden. Nein. Auf eine gewisse Art habe ich verschlafen. Auf eine gewisse Art, weil ich gar nicht verschlafen kann, schließlich beginnt der Tag, wenn ich es will. Es gibt keinen Start außer meinem Willen. So. Aber ich hatte mir vorgenommen, früh aufzustehen und all das, was ich am Tag zu vor nicht geschafft, nicht gewollt hatte, nachzuholen. Aber. Ja. Das hat nicht funktioniert. Ich wollte nicht. Alles vor mir hergeschoben, wie eine Planierraupe habe ich mir den Tag geebnet, die Arbeit immer weiter hinausgezögert, ein langes Telefonat mit M. und das schlechte Gewissen danach, auch wenn wir über die Arbeit sprachen. Ich habe ihn kurz darauf sogar noch einmal angerufen, um mich vor der Arbeit zu drücken. Und der Mann spricht von männlichen Energien, die ich in mir freisetzen solle. Sehr witzig. Ich glaube, das will ich gar nicht. Gar nicht. Seltsam, dass viele Menschen für mich immer wieder Pläne haben, Ideen, wie mein Leben viel einfacher laufen müsste, wie alles glatt ginge. Aha. Äh, ja. Wenn ich es glatt haben wollte, dann rasierte ich mir den Kopf. Innen. Und das versteht keiner, M. ist da auch hilflos - aber ich glaube, er versteht es. Meine Welt ist anders. Es ist ein anderer Planet. Anders. Energie ist genug da, noch mehr männliche Kraft will ich nicht. Ganz sicher nicht. Ja, und dann habe ich doch alles geschafft, mit meinen eigenen Energien. Naja, fast alles, eine Vorschau ist liegen geblieben, aber wenn ich mich morgen gut fühle, dann schreibe ich sie noch schnell. Hastig, aber fundiert. Oder so ähnlich. So ähnlich.

Alles geschafft und dann zum Bahnhof. Hm. Klar, dass M. nicht pünktlich kommt. Auch wenn sie behauptet, nichts zu diesem Umstand beigetragen zu haben: Der Zug kam zu spät - Löwen kommen immer zu spät, das ist eben so. Mir widerfährt das auch dauernd, meine Frau Feenblau fährt immer zu spät los. Zu spät. Dafür gab es dann den Ring-Kauf und eine Orgie. Im Auto. Wild und heftig. Mit Tüte. Zum Glück. Und mir ist immer noch ein wenig schlecht, ich bin das Essen der amerikanischen Schnellversorger einfach nicht mehr gewohnt. Und im Grunde genommen wollte ich ja gar nicht mehr bei McDonalds essen, aber für M. habe ich eine Ausnahme gemacht. Gut, die Damen und Herren von BurgerKing werden es mir verzeihen, ich habe beim Wegfahren noch einen Blick in die Verkaufshalle geworfen und ein Winken angedeutet. M. hat es nicht gemerkt, weil sie DJ Shadow hören musste. Ich natürlich auch, weil ich ihn toll finden musste. Ein bisschen. Ich habe auch artig gelächelt und im Takt gewippt. Mit dem großen Zeh. Nein, so schlecht ist die Musik nicht, ich glaube, ich frage M. mal nach einer Kopie. Oh, oder ich kaufe mir das Werk, dann schimpfen die Damen und Herren von der Musikrechtsabteilung auch nicht mit mir. Und wenn ich die CD kaufe, dann habe ich wohl auch alle Silberlinge, die es gibt. Bis auf die neuesten Neuerscheinungen. Ungefähr. Bah, und ich habe noch den Geschmack des Chickenburgers zwischen den Zähnen. Das nächste Mal machen wir lieber eine andere Orgie - eine, bei der ich abnehme. Bitte. Mensch.

So. Jetzt ist Schluss, es folgt der zweite Teil des DVD-Abends. Identität. Gut. Noch Grüße. An Alta, das war ein guter Start - das Wort zitiere ich jetzt nicht, es wird doch nur gegen mich ausgelegt. Und an M., weil das wirklich sehr angenehm ist. Sehr. Dann noch an F.: Bitte üben, ich übe auch. Und an das kleine A. auf der Insel, das Bild hätte ich gern in Groß. Ja. Aber darüber reden wir mal, ich komme per eMail. Genießt die Nacht, ich genieße den Film.

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