Fluchtartige Gedanken

Fein, ich bin schneller geworden: Es gab mehr zu tun und ich bin dennoch früher fertig als am vergangenen Wochenende. Was für ein Fest, die Welle der Begeisterung hat mich fast erreicht. Irgendwann gegen ein Uhr habe ich mir gedacht: Ach, was soll's, dafür nimmst Du Dir in der kommenden Woche einfach mehr Zeit für eine Ruhephase. Genau. Das werde ich auch tun, keine Frage. Morgen Abend bin ich bei S. in Kiel, das ist schon ein quasseliger Urlaubstag. Fast. Am Donnerstag kommt J. und wir werden gemeinsam Herrn von Bülow sehen. Auch großartig. Das sind dann schon zwei Abende, die mir Ruhe bescheren werden. Keine fragwürdigen Gedanken, vermutlich nicht einmal quälende Kopfschmerzen. Nein, vermutlich nicht einmal das. Keine endlosen Zweifel. Und das an zwei Abenden in der Woche. Hurra. Klingt noch ein wenig leise, dieser Freudenausbruch. Nun, ich werde feiern, wenn ich es erlebt habe und nicht schon vorher.

London town you're killing me
You're not the friend that you used to be
(jazz devils)

Ich sollte mal langsam in Bett gehen, aber nach so einem Tag bin ich immer entsetzlich aufgewühlt. Die Arbeit, die vielen Telefonate, die vielen Buchstaben unter den Fingern, die Bilder, die in meinem Kopf entstehen und dann die fluchtartigen Gedanken, die mich von all dem fortführen wollen. Und dann muss ich standhaft bleiben, die Gedanken beruhigen, ihnen erklären, dass ich arbeite und nicht einfach gehen kann. Nicht einfach. Nein, es geht nicht. Nicht am Sonntag. Vielleicht am Monatg oder am Mittwoch, ganz sicher am Freitag, aber nicht am Sonntag. Mittlerweile ist das eingetreten, was ich nie wollte: Ich laufe in einem Rad wie ein Hamster, immer schneller, in der Hoffnung, dass genug Strom entsteht. Der Hamster kennt diesen Mechanismus vermutlich nicht und ich will gar keinen Strom, ich muss Geld verdienen. Für alle. Nicht einmal für mich, ich brauche ja nicht so viel. Aber. Ach, das wird schon wieder anstrengend, ich lasse es lieber sein. Vor allen Dingen um diese Uhrzeit. Halb vier. Fast. Mensch, Armin, geh ins Bett!

Grüße. An J. und das neue Pseudonym, an S., die in der kommenden Woche genug Kraft von mir bekommen wird, an meine listige Katze und D. in der Nachbarschaft: Das Buch kommt am Wochenende, versprochen. Und ich grüße diejenigen, die mehr Tränen für andere als für sich selbst vergießen - ich bin mir noch nicht sicher, ob das wirklich Sinn macht.

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