Halbgar, unfertig, müde und übel
Wieder ein Tag. Vorbei. Ich habe ihn kommen sehen, aber ich weiß nicht, wann er da war, ich weiß nicht, was er getan hat. Und ich habe nicht geschlafen, ich bin wach geblieben, habe in meinem Kopf nach Antworten gesucht. Draußen wechselt sich das Wetter, mischt soch mit meinen Launen. Und immer mehr Menschen stellen mir Fragen, die ich nicht verstehe, immer mehr Menschen zerren an mir herum - und ich weiß nicht wohin. Verstecken, flüstere ich mir zu, aber ich kann mich nicht verstecken. Nicht vor anderen und schon gar nicht vor mir selbst. Aber es wird mir alles zu viel, in meinem Kopf wird es zunehmend lauter, immer noch mehr Gedanken, immer noch mehr Fragen. Am Ende wiederhole ich die Fragen, die ander an mich richteten und ich kann sie immer noch nicht beantworten. In einem Internetforum fragte mich jemand, was denn ein Mann wie ich dort wolle. Ein Mann wie ich. Ich weiß nicht einmal, was das sein soll: Ein Mann wie ich. Aber selbst für den Fall, dass ich den Gedanke zulasse und mich als ein wenig anders definiere, selbst für den Fall frage ich mich, warum ich eine Berechtigung brauche, um mich auf dieser oder einer anderen Plattform aufzuhalten. Unverständlich. Für einen Mann wie mich. Wo sollte ich denn hin? Auf einen anderen Planeten? Vielleicht holen sie mich ab. Irgendwann. Wer weiß. Vielleicht sollte ich mich wirklich mal von diesen Plattformen zurückziehen, ich werde dort angefeindet oder missverstanden, das ist ermüdend und überflüssig.
Mir ist übel. Immer noch. Seit gestern Abend, seitdem ich zu viel gegessen habe. Zu viel. Wieder war ich maßlos. Manchmal wünschte ich mir, ich legte den Fuß auf die Bremse. Nur ganz leicht berühren. Ein wenig langsamer werden, ein wenig mehr Zeit. Nein, es muss alles schnell gehen, atemlos und wild sein. Ich denke, ich bin von mir selbst genervt. Großartige Voraussetzungen für die Nacht. Mir ist übel, das wird ein böses Ende nehmen. Hoffentlich.
Ist zu viel Leere in mir. Zu viel, zu viel. So richtig will mir nichts gelingen, die Worte quetsche ich aus mir heraus wie aus einer ausgelaugten Zahnpastatube. Gequetscht. Aber alles unvollkommen, halbgar, unfertig, langweilig.
In meinem Herz
Gibt"s dunkle Ecken
Wo Gedanken und
Gefühle auch
Elendig verrecken
In meinem Herz
Gibt"s stille Ecken
Wo ich mich
Dann und wann
Vor anderen verstecke
Diese Zeilen habe ich gestern in einer Kurzmitteilung untergebracht, war zunächst zufrieden und bin dann doch wieder genervt. Das ist alles durchschaubar, das ist alles nichts. Nichts, nichts, nichts. Nichts wert. Ich brauche unbedingt wieder Ruhe. Und die nehme ich mir jetzt. Bis morgen früh, bis die Arbeit mich aus dem Bett zerrt. Raus aus der Wärme ins kalte, nackte Leben. Ich bin und bleibe müde, mir ist übel.
Keine Grüße. Ich küsse meine Katze.